Responsive image

Another Place

Marc Copland

Pirouet/Medienvertrieb Heinzelmann PIT3031
(60 Min., 7/2007) 1 CD

Inzwischen wird Marc Copland, dieser Meister des modellierenden Anschlags und der harmonischen Sophistication aus dem Geiste Paul-Bley’scher Reduktion und Bill-Evans’scher Raffinesse, als eine unverwechselbar eigene Klavierstimme wahrgenommen und kann getrost selbst als Referenz bemüht werden. Vielleicht hat ja die Gelassenheit, die sein neues Album prägt, etwas mit diesem Zuwachs an Status zu tun. Denn dass ein Pianist sein Trio ausgerechnet um einen Gitarristen erweitert, verweist auf ein gerütteltes Selbstvertrauen des Tastenspielers, das die Konkurrenz des über die Macht der elektrischen Verstärkung gebietenden Melodie-/Harmonieinstrumentalisten nicht fürchtet – es ist aber auch ein Indiz für die außerordentliche Kooperationsbereitschaft John Abercrombies; der ist ja sonst als tonangebender Gitarrero kein Kind von Traurigkeit, hier aber agiert er als sensibel dienender Partner des Pianisten. Dieser wollte wohl zeigen, dass er sich auch im Stile der zupackenden Musizierpraxis einer Miles-Smiles-Ästhetik deutlich eigenständig zu artikulieren vermag. So verpflichtete er als Schlagzeuger Billy Hart, der seinen Tony Williams kennt und mitunter auch robust interpretiert. Am Bass agiert Drew Gress einfühlsam und vermittelnd. Wie in den ruhigeren Phasen des legendären zweiten Miles-Davis-Quintetts fließen die Stimmen mäandrierend ineinander und lösen sich wieder faszinierend voneinander. Natürlich kommen da Assoziationen an Herbie Hancock auf, aber die energetischen Klavierlinien sind eindeutig die eines Marc Copland, und der ist ein Meister des Verzauberns durch warmtönende Abgeklärtheit. Sie und die unaufgeregte Weisheit in den Gitarrenbeiträgen machen diese CD zu großartiger Kammermusik.

Thomas Fitterling, 20.06.2008



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Ahnengalerie: Im Wien der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hat man es schon schwer als Komponist. Mozart, Beethoven, Schubert – übermächtig liegt auf allen Gattungen der Glanz der Heroen, die den klassischen Kanon geschaffen hatten. Was kann man dem noch hinzufügen? Johannes Brahms, dem man oft melancholisches Zaudern unterstellte, setzte sich in Wirklichkeit besonders lange und eingehend mit diesen Vorbildern auseinander, bevor er seinen Beitrag stimmig empfand. So ist sein Werk […] mehr »


Top