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The Soul Of Oscar Peterson

Oscar Peterson

BHM/ZYX BHM 2000-2
(152 Min., 1949-1957) 2 CDs

Man erinnert sich: Die einen feierten Oscar Peterson als den größten Jazzpianisten aller Zeiten, andere konzedierten dies mit einer bedauernd herablassenden Bewunderung für Akrobatik. Seine ungeheure Virtuosität, mit der er als Solist stets verschwenderisch umging, gepaart mit einem fast unerbittlich vorpreschenden, stets bluesnahen Swing, ließ vielen seiner Zuhörer quasi Hören und Sehen vergehen – und die weniger Begeisterten sahen den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr, hörten statt Musik klimpernde Kaskaden. Dieser kanadische Pianist kam über die Jazzwelt wie ein Naturereignis: der Groß-Impressario Norman Granz ließ 1949 den 24-jährigen Peterson als Überraschungsgast mit dem Bassisten Ray Brown in der Carnegie Hall auftreten, und damit begannen gleich zwei wunderbare Partnerschaften: die musikalische mit Brown und die geschäftliche mit Granz. Die von RONDO-Autor Marcus A. Woelfle zusammengestellte Doppel-CD führt in die erste große Phase dieser Dreiecksbeziehung. Das Carnegie-Debüt ist dokumentiert und die Entwicklung des ersten Oscar-Peterson-Trios, das sich mit seiner schlagzeuglosen Besetzung von Klavier, Gitarre und Bass an dem Nat-King-Cole-Trio orientierte. Neben den Aufnahmen, die Petersons Genie als eklektischen Vollender des modernen Mainstream-Klaviers ins Schweinwerferlicht rücken, gibt es einzelne Perlen von Oscars einfühlsamer Begleitertätigkeit. So ist er mit Ella Fitzgerald, Stan Getz und Ben Webster zu hören, und auch der legendäre "Funky Blues", bei dessen Einspielung mit Johnny Hodges, Charlie Parker und Benny Carter gleich alle drei stilprägenden Altsaxofonisten der Jazzgeschichte mitwirkten, ist hier nachzuhören. Im Mittelpunkt aber steht die Apotheose der schlagzeuglosen Triobesetzung mit dem Gitarristen Herb Ellis, der in so einmaliger Weise geschmeidige Rhythmusarbeit und kraftvolle solistische Beiträge raffiniert zu kombinieren wusste.

Thomas Fitterling, 06.06.2008



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