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Sergei Prokofjew, Peter Iljitsch Tschaikowski, Dmitri Schostakowitsch u.a.

Kammermusik

Martha Argerich u.a.

EMI 476 871-2
(207 Min., 6/2002, 6/2003, 6/2004) 3 CDs

Die Vorstellung ist apart. Ein Tanzsaal, gefüllt mit Menschen, die Herren im Smoking, die Damen im Ballkleid, eine Bühne, darauf eine kleine Kapelle, und Hunderte Flaschen Champagner, die herumgereicht werden. Es ist Mitternacht, die Ballnacht ist in vollem Gange, und in diesem Augenblick hebt die Kapelle an, den Blumenwalzer von Peter Iljitsch Tschaikowski zu spielen. Die Stimmung steigt augenblicklich, und sie steigt vor allem wegen einer Frau. In der Mitte des Ballsaals, geführt von einem eleganten Herrn, da kreist sie zu Tschaikowskis Klängen, Hacke, Spitze, eins, zwei, drei, und die Welt steht still um sie herum, ganz ergriffen.
Warum diese Einleitung? Ganz einfach. Weil das Phänomen Martha Argerich so vielleicht am besten zu umschreiben ist. Seit Jahren versammelt sie herausragende Musiker, die zugleich Bekannte, wenn nicht ihre Freunde sind, zu einem musikalischen "Ball" in Lugano, und dort wird musiziert, bis die Wände wackeln. Auf höchstem Niveau, versteht sich, darauf hat Martha, die Scheue, die sich seit siebenhundert Jahren weigert, ein Solo-Recital zu geben oder mit Orchester aufzutreten, einen scharfen Blick. Das Ergebnis dieser künstlerischen Soiree liegt nun wieder einmal vor, die Jahrgänge 2002, 2003 und 2004, Extrakte, wie es scheint. Darunter findet sich eben auch die "Nussknacker-Suite" von Tschaikowski (worin sich am Schluss der beschriebene Blumenwalzer findet), in der Bearbeitung von Nicolas Economu für zwei Klaviere; an einem sitzt Martha höchstselbst, am anderen Mirabela Dina. Ein Vergnügen, wie auch die Transkription der "Symphonie classique" von Prokofjew, den zweiten Satz ausgenommen, der etwas brüchig und verloren wirkt. Fast überschäumend, dabei von nachgerade existenzieller Wucht, das zweite Klaviertrio von Schostakowitsch (hier hat Martha den guten Maxim Vengerov und Gautier Capuçon an ihrer Seite und im Griff); wundervoll poetisch die dritte Violin-Sonate von Brahms (Lilya Zilberstein, Vengerov) und ebenso das erste Klaviertrio Schuberts (Bronfman, Renaud und Gautier Capuçon); von erheblichem Schwung die beiden Schumanns (Klavierquintett und Violinsonate; bei beiden ist Martha beteiligt), und das Dvořák'sche Klavierquintett Nr. 2 mit Walter Delahunt, den Capuçon-Brüdern und Lida Chen. Unser Tipp. Man sollte da hinfahren und mittanzen. Wenn denn der liebe Gott ein Einsehen hätte - und man das Glück besäße, Karten zu erhaschen.

Tom Persich, 15.10.2005



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