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Ludwig van Beethoven

Sinfonien Nr. 5 u. 6

Tafelmusik, Bruno Weil

Sony BMG 82876 74726-2
(73 Min., 10/2004) 1 CD

Das Pech mancher Aufnahmen ist, dass sie schlichtweg zu spät kommen. Vor fünfzehn Jahren noch hätte eine Einspielung zweier Beethoven-Sinfonien durch ein Period Ensemble beim Hörer auf einen sicheren Überraschungseffekt setzen können: Die forschen Tempi, die rhetorische, schwelltongesättigte Phrasierung, das durchsichtige, in seinen lautmalerischen Effekten ungleich assoziativere Klangbild (im Falle der "Pastorale"), all diese Errungenschaften hätten in einem diskografischen Umfeld, das noch von Masur-, Solti- und Haitink-Aufnahmen dominiert war, für eine markante Positionierung gesorgt. Das ist mittlerweile gründlich anders geworden: Das Roll Back der Sinfonieorchester ist in vollem Gang. Wo selbst die Wiener Philharmoniker mit Simon Rattle sich mit historischer Aufführungspraxis auseinandersetzen und die neue, entromantisierte Partiturausgabe von Jonathan del Mar zum Standard geworden ist, zählt wieder die Interpretation - nämlich das, was jeder Dirigent mit den wiederentdeckten Ausdrucksmitteln anfängt. Und da hat die Einspielung von Tafelmusik unter der Leitung Bruno Weils nicht allzu viel zu bieten. Tadellos gespielt, in der Balance der Orchestergruppen gut ausbalanciert, besitzt die Einspielung der Sinfonien Nr. 5 und 6 ihre handwerklichen Meriten, bleibt aber in der artigen Befolgung der historisierenden Phrasierungsrichtlinien allzu vorhersehbar. Die subjektive Perspektive, das Schicksalsdrama der fünften, die Spiegelung des Naturerlebens im Gemüt, bleiben ausgeschaltet, das Resultat klingt allzu gefühlsneutral - fast, als ob gar kein Dirigent am Pult gestanden hätte. Sekundärtugenden reichen eben nicht.

Jörg Königsdorf, 10.12.2005



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