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Ludwig van Beethoven

Klaviersonaten op. 10 und op. 13

Maurizio Pollini

DG/Universal 474 810-2
(68 Min., 9/2002) 1 CD

An und für sich ist das ja keine große Überraschung: Maurizio Pollini spielt Beethoven. Neben Schönberg, Schumann und Chopin zählt der Bonner zu seinen Lieblingen, ist er wesentlicher Bestandteil einer unbedingt seriösen, lebenslangen Auseinandersetzung mit der Schöpfungsgeschichte dieses Titanen. Und gewiss wäre ein Scharlatan derjenige, der über die Ergebnisse streiten wollte. Was allerdings wirklich so manchen Kenner überraschen wird, ist die Tatsache, das bis dato eine Einspielung der “Pathétique” nicht verzeichnet war; die Gründe hierfür liegen im Dunkeln. Spätes Glück für all seine Fans. Pollini hat die Lücke geschlossen. Und um der Vollständigkeit halber gleich die Trias der Klaviersonaten op. 10 mit auf eine Scheibe gebannt. Was uns wiederum, und dies gleich mehrmals, gespannt in selbige hineinhorchen ließ.
Wie soll man es sagen, wie beschreiben? Es fesselt einen dieser Beethoven nur selten (was für die Interpretation der "Pathétique" ebenso gilt wie für die der drei davor komponierten Sonaten). Irgendwie (zugegeben ein scheußliches Wort bei einem solchen Meisterpianisten), dennoch: irgendwie will dieser Beethoven nicht überzeugen. Es wohnt ihm eine Jugendlichkeit an, die gekünstelt wirkt, eine Leidenschaft, die herbeizitiert scheint. Pollini bleibt - sein Ernst als Nachschöpfender verlangt solches von ihm - nahe am Notentext; er verweigert sich Beethovens minutiösen Vorschriften keine Sekunde. Und doch vermag er die Diffusionen, die Konfrontationen nicht zu ermessen, sie nicht in ein Beethoven-Bild zu rahmen. Alles wirkt wie künstlich nachempfunden, schematisch selbst in den ausufernden, libertinös-revolutionären Momenten. Maurizio Pollini spielt Beethoven. Aber er packt ihn nicht beim Schopfe. Selbst dann nicht, wenn er beim Spielen seufzt.

Tom Persich, 26.06.2004



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