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The Dark Keys

Branford Marsalis

Columbia/Sony 486668 2
(62 Min.) 1 CD

Konsternation löst das Titelstück von Branford Marsalis’ neuer CD aus. Was einem da gleich zu Beginn als Marsalis-Komposition entgegenschallt, erinnert vehement an das „Love-Supreme“-Motiv von John Coltrane; überhaupt verweist der ganze Anfang auf die Spielpraxis des legendären John-Coltrane-Quartetts. Auch die Aufnahmetechnik bemüht sich um diesen Sound; der Baß wurde nicht über einen Tonabnehmer, sondern wie einst mit einem Mikrofon aufgenommen. So klingen denn Reginald Veal und der Schlagzeuger Jeff „Tain“ Watts wie die Reinkarnation des Teams Jimmy Garrison/Elvin Jones.
Doch es gibt bleichgesichtigere Phantome – und so ist der Zuhörer gut beraten, die „Dark Keys“ dunkle Verschlüsselung sein zu lassen; die Konsternation weicht dann der Freude darüber, dass Branford Marsalis als Leader der Tonight Show Band das druckvolle Jazzen nicht verlernt hat. Spätestens auf seiner Ballade „Sentinel“ macht er klar, daß er niemandes Epigone zu sein braucht und einfach berückendes, vollklingendes Tenorsaxofon zu spielen weiß. Sein Sopranspiel ist ohnehin eine Klasse für sich, intonationsrein vermeidet er Lacysche Spröde ebenso wie coltraneske Orientalismen. Zwei herrliche Gastauftritte von Joe Lovano und Kenny Garrett machen die CD vollends zu einer nicht nur äußerlich runden Sache.

Thomas Fitterling, 31.12.1996



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