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Modernistic

Jason Moran

Blue Note/Capitol 539838-2
(43 Min.) 1 CD

Jetzt hat also auch Jason Moran, der siebenundzwanzigjährige Pianostar von Blue Note, ein Soloalbum aufgenommen. Als Combo-Pianist faszinierte er mit einem selbstbewussten eigenen Sound, der sich an diesen wenig besungenen Individualisten der schwarzen Pianotradition orientierte, die letztlich alle wie sein Lehrer Muhal Richard Abrams sehr stark von Thelonious Monk geprägt sind und dieses Erbe mit einer Lakonik pflegen, die dem Überschwang, sei er nun der eines McCoy Tyner oder eines Keith Jarrett mit trotziger Vehemenz entgegensteht.
Eigentlich sollte man also annehmen, dass das Solo-Format Jason Morans Musikideal perfekt entsprechen müsste. Aber Jason Moran scheint das leere Studio geschreckt zu haben. Das als Hommage an die modern zu interpretierende Tradition gemeinte Titelstück hat etwas von sich rückversichern wollendem Eklektizismus, und das Bekenntnis zu aktuellen Hip-Hop-Sounds ist trotz mehrfacher Overdubs und präparierter Pianoklänge nicht entschieden genug und kommt mit seiner geschmäcklerischen Geste rhythmisch nicht auf den Punkt.
Doch dann gelingen Moran hinreißende Miniaturen von jener lakonischen Schönheit, die seine Trioeinspielungen für solch ein Soloprojekt versprachen. Sein Akkulturationsversuch von Schumanns Eichendorff-Lied bleibt allerdings etwas fragwürdig; die Stimmung der Vorlage hat er erfasst, ihr Geist jedoch scheint sich ihm zu verschließen. Wie anders wäre zu erklären, dass er bei seiner eigenen Interpretation ins Fummeln gerät?

Thomas Fitterling, 17.10.2002



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