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Myra Melford, Be Bread

Cryptogramophone/AL!VE CG 131
(66 Min., 12/2003) 1 CD

Die Pianistin Myra Melford ist eine ständig Suchende. In immer neuen eigenständigen Projekten integriert sie die neuen Erfahrungen in ihr musikalisches Vokabular, das zutiefst von der AACM-Szene Chicagos, der Stadt ihrer musikalischen Sozialisation, geprägt ist. Ihr neustes Projekt nennt sie Be Bread. Der Ausdruck entstammt einem Text des Sufi-Mystikers Rumi, auch der Titel der aktuellen CD geht auf diesen Text zurück. Be Bread entstand nach einem einjährigen Fulbright-Stipendienaufenthalt in Kalkutta, wo Myra Melford traditionelle nordindische Musik auf dem traditionellen Handharmonium studierte. Dieses Instrument, bei dem - einem Akkordeon nicht unähnlich - mit der linken Hand ein Blasebalg bedient wird und die rechte auf einer liegenden Tastatur spielt, steht hier denn auch im Mittelpunkt. Die Musik entspringt nun aber nicht einem bewussten Vorsatz, östliche und westliche Musik zu fusionieren, sondern ist, wie Melford erklärt, als Einheit langsam so gereift. Das abwechslungsreiche Programm wird von einem Quintett aus Klavier/Harmonium, Gitarre/Banjo, Trompete/Electronics, E-Bass/akustische Bassgitarre und Schlagzeug verwirklicht. Die Melismen des Harmoniums erinnern an die weit ausgreifenden Gesangsdarbietungen nordindischer Sänger, wobei der weitere Instrumentalkontext, auch wo diskret elektronische Verfremdung vorkommt, weitgehend in dem klassisch-avantgardistischen Jazzidiom verwurzelt bleibt, und Trompeter Cuong Fu erinnert zuweilen an den Ornette-Coleman-Musiker Bobby Bradford. Trotz der gelungenen Integration der verschiedenen Stilelemente im Zusammenhang mit dem Harmonium wird doch mancher Zuhörer die Momente als die ausdruckstärksten Empfinden, in denen Myra Melford in ihrem typisch lakonischen, leicht spröden Klavierspiel über ihre Musik reflektiert.

Thomas Fitterling, 01.12.2006



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