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Carmen Sings Monk

Carmen McRae

Bluebird/BMG 09026 63841 2
(80 Min., 2/1988, 4/1988) 1 CD

Inzwischen scheinen sie für Jazzmusiker aller Couleur fast zu Pflichtübungen geworden zu sein, die Hommagen an die Kultfigur Thelonious Monk. Doch nur selten wagen sich Sänger an die herrlich spröden vertrackten Themen, die alle letztlich Miniaturen strenger Logik und Würde darstellen.
Die 1994 verstorbene Sängerin Carmen McRae unternahm bereits 1988 den Versuch, dem originellsten aller Jazz-Pianisten und -Komponisten ihre Reverenz zu erweisen. Das ist nicht ohne innere Logik, denn Monk war ein tiefer Verehrer von Billie Holiday - ein Foto von ihr neben einem von Dizzy Gillespie zierte als einziger Schmuck sein Junggesellenzimmer. Carmen McRae wiederum bezieht sich ausdrücklich auf die große Kollegin mit der tragischen Lebensgeschichte. Wenn bei Billie Holiday trotz aller Widrigkeiten und Verletzungen immer etwas von einer wundersam unberührt gebliebenen Unschuld eines kleinen Mädchens aufscheint, ist es bei Carmen McRae die Würde der reifen Frau, die diese suggestive Wirkung ihrer dunklen geschmeidigen Stimme ausmacht.
Diese Ausstrahlung trifft bei diesem Album kongenial auf die innere Würde der Monkschen Miniaturen, die umso fesselnder wirkt, als die Sängerin fast gänzlich darauf verzichtet als scattende Stimm-"Instrumentalistin" aufzutreten. Wie Billie Holiday beschränkt sie sich darauf, die Themen zu gestalten. Dabei greift sie auf selten gehörte Textversionen zurück; die Soli überlässt sie ihren großartigen Partnern; allen voran George Mraz am Bass und Clifford Jordan sowie Charlie Rouse am Saxofon. Al Foster am Schlagzeug hat man kaum einfühlsamer gehört, und die Pianisten Eric Gunnison und Larry Willis begleiten auf den Punkt genau. Gegenüber der Original-LP enthält die CD fünf Alternate Takes als Bonustracks.

Thomas Fitterling, 24.01.2002



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