Responsive image
Richard Strauss

Der Rosenkavalier (Filmmusik 1926)

Deutsches Symphonie-Orchester Berlin, Marek Janowski

Capriccio/Delta Music 60 097
(146 Min., 2/1997, 1/1998, 4/1998, 1/1999) 2 CDs

Richard Strauss war nicht wirklich begeistert, als ihm Hugo von Hofmannsthal 1925 von einem "Rosenkavalier"-Filmprojekt berichtete. Dabei waren Stummfilm-Versionen von Opern seit den 1910er Jahren geradezu en vogue und wurden nicht selten mit berühmten Diven besetzt: Lina Cavalieri spielte Manon Lescaut (1914), Mary Garden war Thaïs (1917). Und als Cecil B. DeMille den Publikumsliebling der Met, Geraldine Farrar, 1915 als Carmen fürs Kino gewann, war dies bereits die siebte Filmfassung von Bizets Oper.
Strauss willigte in das Projekt nur zögernd ein - nicht zuletzt deshalb, weil Hofmannsthal die Geschichte erweiterte, weil er Szenen und Figuren einführte, die in der Oper höchstens erwähnt werden. Das bedeutete für Strauss, dass er nicht nur das vorhandene musikalische Material neu arrangieren, sondern möglicherweise gar Neues hinzukomponieren musste. Er delegierte das Gros der Arbeit an Otto Singer (der ihm bereits ein populäres Konzert-Arrangement des "Rosenkavalier" geliefert hatte) und den Dirigenten Karl Alwin. Für die Auftritte des Feldmarschalls griff Strauss auf zwei lange vor dem "Rosenkavalier" komponierte Märsche zurück, für das Gartenfest der Marschallin (das ebenfalls in der Oper nicht vorkommt) auf den 1923 entstandenen "Wirbeltanz". Das einzige neu für den Film entstandene Musikstück ist ein Militärmarsch in F.
Wer den "Rosenkavalier" kennt und die Filmmusik hört, ist nach ein paar Minuten haltlos verwirrt: Der Beginn ist noch identisch mit dem der Oper - doch dann springt Strauss plötzlich fast forward, und nichts stimmt mehr: zerstückelt, vertauscht, falsch scheint hier alles. Indes, das Szenario des Films gibt Aufklärung: Wir sehen, wie Ochs in seinem Schloss aufwacht. Wie sich die Marschallin in ihre Mädchenzeit zurückträumt. Wie sie dem Feldmarschall zum ersten Mal begegnet. Wie der Feldmarschall auf dem Schlachtfeld an die Marschallin denkt. Dem 1926 uraufgeführten Film war kein großer Erfolg beschieden. Dass Marek Janowski die Musik mit dem sensibel und transparent musizierenden Deutschen Symphonie Orchester aufgenommen hat: ein löbliches Unternehmen. Interessant vielleicht. Aber der richtige, einzige "Rosenkavalier" ist uns doch lieber. Viel lieber.

Jochen Breiholz, 28.02.2004



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

13 Sekunden! Keine Sekunde mehr oder weniger erfreut sich der Hörer an Ludwig van Beethovens Bagatelle op. 119 Nr. 10. Und diese Episode deutet schon auf das entscheidende Schlagwort der neuen Beethoven-CD von Kilian Herold (Klarinette), Peter-Philipp Staemmler (Violoncello) und Hansjacob Staemmler (Klavier) hin, das da lautet: Kurzweiligkeit. „Composing Beethoven“ präsentiert freilich keine Stangenware, sondern ein klug konzipiertes Album, das originale Werke des Geburtstagskindes mit […] mehr »


Top