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Mad Clown's Dreams

David Gazarov

Skip/edel contraire SKP 9018-2
(74 Min., 2/2001) 1 CD

Seine Moskauer Konservatoriums-Ausbildung will der Pianist David Gazarov gar nicht verleugnen, und dass der Aserbaidschaner ein Studienkollege von Aziza Mustafa Zadeh ist, fügt sich ebenfalls ins Klangbild. Bei ihm jedoch ist bei aller jubelnden Freude über die ihm eigene Virtuosität, die sowohl die Spieltechnik wie den Umgang mit komplexen harmonischen Strukturen einschließt, immer auch ein Wille zum gestaltenden Maß zu spüren.
Und so hat er auf dieser CD, die eigentlich als Solo-CD angelegt ist, seinen acht überwogenden Alleingängen fünf Duo-Einspielungen als Beispiele der Selbstbeschränkung gegenübergestellt. Jimmy Woode, einst Bassist im Duke-Ellington-Orchester und in der Clarke-Boland-Big-Band, hat Gazarov als Partner für Standard-Interpretationen verpflichtet.
Woode ist ein Meister der Reduktion und des ganz breit federnden Swings, da sieht man ihm Intonationseigenwilligkeiten gerne nach. Im Zusammenspiel mit diesem Bassisten zeigt Gazarov, dass auch er sensibel die Essenz des Great American Songbooks wiederzugeben weiß. Bei seiner Solo-Interpretation von "Take Five" ist das nicht so deutlich, da delektiert er sich ausführlich am virtuosen pianistischen Jonglieren, das ist zwar Klasse, doch eben auch reichlich Masse.
Anders der Opener der CD, der die andere Facette von Gazarovs Solo-Vortrag belegt: Er interpretiert Chopins Etude No. 6, op. 10 und führt sie bruchlos auf dem Wege des behutsamen Paraphrasierens über in ein verhalten jubelndes Jazz-Piano-Piece. Keith Jarrett grüßt von weitem, doch dessen ekstatisches Entrücksein ist hier transzendiert. Gazarov bleibt ganz bei der Substanz der Vorlage. Auch in der Mehrzahl seiner Originals gelingt Gazarov diese Gratwanderung zwischen formbewusstem Maß und überbordendem Ausdruck. Hardcore-Jazzer werden dennoch die Duos mit Woode als Juwele bejubeln.

Thomas Fitterling, 20.06.2002



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