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Freedom Right Now

Timo Shanko

Skycasp Records/Rough Trade cap 011
(60 Min., 1/2004) 1 CD

Der Jazz des neuen Jahrtausends ist eine Musikrichtung, in der sich die inneren Genre-Grenzen immer mehr auflösen. Den einen ist das postmoderne Beliebigkeit, die anderen bejubeln den Reichtum der vielfältigen Mischungen. Jedenfalls ist ob all dem der Begriff des Mainstream sehr weit geworden. Ein besonderes Beispiel dafür ist der Amerikaner Timo Shanko, der sich als virtuoser Bassist einen Namen gemacht hat und jetzt als Tenor- und Baritonsaxofonist sein CD-Debüt gibt. In seinem Trio mit dem Bassisten Keala Kaumeheiwa und dem Schlagzeuger Luther Gray spielt er eine Musik, die die Ästhetik der frühen Ornette-Coleman-Periode aktualisiert. Am Bariton-Instrument sind die Konturen manchmal durch die Tiefton-Röhre verwischt; am Tenor dagegen klingt er, als habe der Linearitätsmagier Coleman eine Verjüngungskur erfahren, in deren Therapie Archie-Shepp'sche Emotionalität eine wichtige Rolle spielte. Ähnliches lässt sich analog vom Schlagzeuger sagen; hier wären als Vorbild und Therapeut Ed Blackwell und Tony Williams zu nennen. Auf den drei Titeln, bei denen Taylor Ho Bynum sein Kornett im besten Don-Cherry-Stil ertönen lässt, ist der Verweis auf Ornette Coleman am deutlichsten - ein Schelm, wer Böses dabei denkt, denn diese Musik hat nichts von ihrer Frische eingebüßt, zumal dieser Entwicklungsstrang nur selten mit derartiger Konsequenz aufgegriffen wurde. Das ist wahrlich moderner Mainstream.

Thomas Fitterling, 12.06.2004



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