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Confluences

Jean-Louis Matinier

Enja/soulfood ENJ-9454 2
(55 Min., 2/2003, 3/2003) 1 CD

Gibt es eigentlich schon eine Dissertation zum Thema "Sozioökonomische und geopolitische Einflüsse auf die Rezeptionsgeschichte von Musikinstrumenten der Neuzeit dargestellt am Akkordeon, Bandoneon und Saxofon"? Jedenfalls müsste in einem solchen Werk der französische Akkordeonist Jean-Louis Matinier eine besondere Erwähnung erfahren. Während hierzulande, der Erfindungsregion von Akkordeon und dem Schwesterinstrument Bandoneon, die Musikausübung auf diesen Handblasinstrumenten immer noch weitgehend von Vereinsstatuten und Meisterschaftsreglements bestimmt wird, sind sie unter den Händen von genuinen Virtuosen in Frankreich, Italien und Argentinien zu ebenso ernsthaft deklamationsfähigen Ausdrucksmitteln eigentlicher Musik geworden wie etwa das Saxofon in den Händen eines Coleman Hawkins, John Coltrane oder Chris Potter. Womit ein Traditionsstrang mit Entwicklung angedeutet ist. Jean-Louis Matinier ist der augenblickliche Fixpunkt dieser Entwicklung. Und es ist kein Zufall, dass sich dieser Fixpunkt in unserem Nachbarland festmachen lässt, denn nirgendwo sonst gibt es diese locker heitere Offenheit gegenüber den Traditionen des mittelmeerischen Raums und den aktuellen afro-amerikanischen Strömungen. "Confluences", also "Zusammenfließen verschiedener Strömungen", heißt das Programm. Und schon allein die Besetzung verdeutlicht die angestrebte Strömungstechnik: Da ist der franko-spanische Bassist Renaud Garcia-Fons, selbst schon ein Symbol mediterraner Stilmischung, und dann wirken noch der amerikanische Flötist Bobby Rangell und der brasilianische Akustikgitarrist Nelson Veras mit. Kein Wunder also, dass lichte, sonnendurchflutete Musik entsteht, die in jeder Phase das Bewusstsein ihrer mittelmeerischen Gestade in sich trägt und die doch auf bloßer Haut klassisch gallisches Formbewusstsein trägt, das wie angegossen passt und die allgegenwärtige Laszivität zu raffinierter Eleganz adelt.

Thomas Fitterling, 09.08.2003



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