Responsive image
Ralph Vaughan Williams

Sinfonie Nr. 1 (A Sea Symphony)

Christine Goerke, Brett Polegato, Atlanta Symphony Orchestra, Robert Spano

Telarc/In-Akustik 80588
(61 Min., 11/2001) 1 CD

Die Mineralogen unter den Musikkritikern nennen Vaughan Williams gern "sinfonisches Urgestein", ebenso wie den Finnen Sibelius, dessen mineralische Konsistenz allerdings eine andere ist. Dabei hat diese erste Sinfonie des Briten eine fast ebenso steinige Geschichte wie die der Ersten von Brahms - auch Vaughan Williams kauerte vor dem monumentalen Schatten, den Beethoven warf, und danach ja auch noch Schubert, Schumann, Brahms und Bruckner.
Am Ende amalgamierte der Brite ein Chorwerk "Toward the Unknown Region", etwa: Ins unbekannte Land (aus dem bei Shakespeare kein Wanderer wiederkehrt), die Projekte "Songs of the Sea" und "The Ocean". Die Texte fand Vaughan Williams bei Walt Whitman, der die USA, ein Land ohne Geschichte, in rau gesponnener Lyrik erfinden half. Heraus kam eine riesenhafte Chor-Sinfonie, die im selben Jahr uraufgeführt wurde wie Gustav Mahlers Achte, die "Sinfonie der Tausend" - und bei Vaughan Williams spielt der Chor eine noch größere Rolle, ist er enger mit dem Material verzahnt, ja dessen eigentliche Identität.
Barbirolli hat das unvergleichlich eingespielt, sehr gut nach ihm auch Previn. Robert Spanos Produktion aus dem nicht gerade meerumrauschten Südstaat Georgia reiht sich würdig ein in die kleine, aber feine Zahl der Aufnahmen. Er hält das Orchester- und Chorgeschehen alert am kurzen Zügel, bleibt strenger und markanter als etwa Barbirolli, bei dem das Werk mehr Zweifel und Behauptung ist, mehr Gefühl. Brett Polegato singt den Baritonpart ebenso hagiographisch in Stein gemeißelt, nur Christine Goerkes opernhaftes "Gestalten" stört eher, wenn man schon ein so nüchternes Konzept wählt.
Die Klangqualität ist - wie fast immer bei Telarc - erstklassig; um das Werk kennen zu lernen, sollte man ruhig diese Aufnahme wählen. Um zu erforschen, in welche emotionalen Regionen es den Hörer noch führt, kann man danach ja zu Barbirollis Mono-Einspielung greifen ...

Thomas Rübenacker, 26.09.2002



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Beutezüge im Barock: Manche Solisten haben das Pech, dass die größten Komponisten gerade für ihr Instrument kein Konzert geschrieben haben. Keine Trompete bei Mozart, keine Flöte bei Bach und überhaupt keine Konzerte von Schubert. Und obwohl Antonio Vivaldi dank seiner versatilen Schülerinnen in der Pietà für fast jedes erdenkliche Instrument und jede Kombination Concerti in Fülle entworfen hat – allein 39 für’s Fagott, nur seine eigene Violine hat mehr bekommen – gibt es […] mehr »


Top