Responsive image
Antonio Vivaldi

Div. Concerti

Sol Gabetta, Sonatori de la Gioiosa Marca

RCA/SONY BMG 88697131692
(68 Min., 5/2007) 1 CD

Die 26-jährige Sol Gabetta hat sich auf ihrer Debüt-CD, mit großem, warmem Ton und verschwenderischer Gebärde als Romantikerin geoutet. Deshalb ist man ein wenig verblüfft, dass ihre zweite Scheibe "Il progetto Vivaldi" heißt, das Projekt Vivaldi, das ausschließlich dem "prete rosso" gewidmet ist, dem berühmten Barockmeister am Hospiz für weibliche Waisen in Venedig. Zu all dem wird Gabetta begleitet von den Sonatori de la Gioiosa Marca, forschen "period style"-Klangfetischisten, deren oft ansteckende Vitalität das Säuselbarock von Karajan & Co. wieder in die Wirklichkeit zurückführte: Das kracht und zischt wie zu Silvester. Und wie reagiert die Romantikerin Sol? Sie zog ihrem sonst stahlgewohnten Guadagnini-Cello Darmsaiten auf, gibt in den Ecksätzen noch gut Vibrato, in den langsamen aber fast keines – "wie eine Barocksängerin", sagt sie im Interview.
Dennoch werden Fans "ihre" Sol nicht vermissen, denn sie spielt nun nicht völlig anders, sie modifiziert nur ihren Stil. Und wenn sie Strawinskys Sottise, Vivaldi habe 600-mal dasselbe Konzert komponiert, entwaffnend widerlegt und sagt, sie habe für "Il progetto Vivaldi" die größtmögliche Abwechslung gesucht – dann mogelt sie auf charmante Art auch ein klein wenig. Denn nur fünf der Concerti hier sind für Violoncello konzipiert, es findet sich auch ein transkribiertes für Violine und sogar der "Winter" aus den sattsam bekannten "Vier Jahreszeiten". Der aber ist nicht nur End-, sondern auch Höhepunkt dieser wunderbar gelungenen Scheibe: Was die mit Vornamen "Sonne" heißende Gabetta da an zugleich klirrender Kälte und entfesselter Virtuosität vorführt, lässt den Hörer frösteln – und gleichzeitig ein warmes Gefühl haben. Das soll mir mal einer erklären, bitte.

Thomas Rübenacker, 13.10.2007



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Was erlauben Patricia Kopatchinskaja? Mit Vivaldi hat dieses Album jedenfalls herzlich wenig zu tun, zumindest mit jenem barocken Konzertvielschreiber- und Vier-Jahres-Zeiten-Vivaldi, dessen Klangsprache man mittlerweile doch recht gut zu kennen glaubt. Zwar spielt die exzentrische, das Risiko liebende, nie Gewöhnliches abliefernde Geigerin auf „Whatʼs next, Vivaldi?“ offiziell dessen Solokonzerte – doch wie bitte tut sie das!? Die Tempi sind aberwitzig schnell, als ginge es um Rekorde. […] mehr »


Top