Als Chef der Berliner Schaubühne hat Peter Stein Theatergeschichte geschrieben. Mitte der siebziger Jahre wollte er in Paris Wagners "Ring" inszenieren - das Projekt wurde nach der "Walküre" abgebrochen. Was danach kam, Verdis "Otello" und "Falstaff", war braves Erzähltheater. Immerhin: Es war noch etwas. Und das ist mehr, als wir über diesen "Simone Boccanegra" vom Maggio Musicale sagen können. Was Stein hier gemacht hat - außer die Gage zu kassieren? Keine Ahnung. Personenregie jedenfalls nicht. Die Sänger verlieren sich in bedeutungslosen, leeren Standardgesten, und die Chorauftritte wirken wie nachgestellt aus dem "Regiehandbuch für Anfänger".
Wenn nur die Besetzung uns ins Verdi-Glück treiben könnte! Doch nein: Karita Mattila, ohne Zweifel eine Ausnahmekünstlerin gerade im Strauss-, Wagner- und Janáček-Fach, ist einfach keine Amelia Grimaldi. Ihr fehlen Wärme, Schmelz, Italianitá. Carlo Guelfi als Simon, Julian Konstantinov als Fiesco, Vincenzo La Scola als Gabriele und Lucio Gallo liefern ihre Partien routiniert ab und lassen uns dabei herzlich kalt. Nur einer tut das nicht: Claudio Abbado im Graben. Allerdings hat der "Simone Boccanegra" schon vor über 30 Jahren mit einer um Längen besseren Besetzung aufgenommen. Vergessen wir die DVD. Es reicht, Abbado zu hören.

Jochen Breiholz, 06.05.2004



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