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Early Doldinger - The Complete Philips Sessions

Klaus Doldinger

Boutique/Universal 06024 9877999
(255 Min., 1962 - 1966) 4 CDs

Am 12. Mai feierte Klaus Doldinger seinen 70. Geburtstag. Dieses kalendarische Ereignis zeitigte auch in seinem Fall die gewohnten Erinnerungsaktivitäten, doch womit das Boutique-Label aus dem Hause Universal jetzt aufwartet, ist schon von besonderer Klasse. In einem vorbildlich dokumentierten 4-CD-Set macht es all die frühen Philips-Aufnahmen wieder zugänglich, die einst den Ruhm Doldingers als modernen Tenorsaxofonisten begründeten, und führt damit auch zu den Anfängen einer anderen Jazzlegende, denen des Produzenten Siggi Loch.
"Jazz Made in Germany" hieß die erste Doldinger-LP aus dem Hause Philips, und was heute etwas anmaßend klingen mag, war damals, Ende der 50er, Anfang der 60er Jahre, durchaus stimmig: neben dem schon bekannteren Albert Mangelsdorff war Klaus Doldinger der andere deutsche Jazzman von internationalem Format. Gleichzeitig war Doldinger auch ein Gegenpol zu Mangelsdorff. Der kam als experimentierfreudiger Soundtüftler vom Cool Jazz her; Doldinger dagegen blieb immer von seinem musikantischen Angang geprägt, der ihn schon als überragenden Dixieland-Musiker auszeichnete. Bezeichnenderweise war die Quartettbesetzung mit seinem Schulfreund Ingfried Hoffmann am Klavier, vor allem aber an der Orgel, über all die frühen Jahre sein Markenzeichen. Es war eine Besetzung, die an die modernen souligen, Blues orientierten Orgeltrios mit Saxofon erinnerte. Es klingt da für heutige Ohren erfreulich wenig nach Coltrane, dafür mehr nach Stanley Turrentine, Eddie Lackjaw Davis und Johnny Griffin oder auch Zoot Sims. Natürlich findet sich in dieser Anthologie auch das Erfolgsalbum "Doldinger in Südamerika". Es war gedacht als Antwort auf Mangelsdorffs berühmte LP nach seiner legendären Asientournee im Auftrag des Goethe-Instituts; "Doldinger in Südmarika" ist auch ein frühes Beispiel für Hype im Jazzbusiness, denn es wurde vor Doldingers Tournee durch Südamerika aufgenommen - und der mitwirkende Attila Zoller an der Gitarre kam kaum solistisch zu Wort. Doch was soll Beckmesserei angesichts dieses Bühnentitans - die Franzosen haben dafür den schönen Ausdruck "bête de scène" (unsere "Rampensau" gibt das nur verkürzt wieder)? Gerade in diesem Zusammenhang ist die CD Nummer 4 mit ihrem Bonusmaterial eine wahre Überraschung. Hier misst sich der überragende Musikant Doldinger mit so herausragenden Titanen wie Kenny Clarke, Rolf Kühn, George Gruntz und sogar Albert Mangelsdorff und macht immer die beste Figur. Early Doldinger ist wahrlich ein wunderbares Geburtstagsgeschenk für den Jubilar - und eines des Jubilars an die Nachgeborenen.

Thomas Fitterling, 09.06.2006



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