Responsive image

Big Band Poesie

Vienna Art Orchestra

Emarcy/Universal 06024 9867710
(61 Min.) 1 CD

Seit nunmehr 1977 ist das von Mathias Rüegg gegründete Vienna Art Orchestra so etwas wie die Speerspitze der modernen Big-Band-Bewegung. In Rüeggs Kompositions- und Arrangierstil nehmen sich Avantgarde und Tradition an der Hand und wagen immer wieder auch munter vergnügliche Tänzchen. Big Band Poesie, das neueste Projekt des Orchesters ist eine Hommage an die großen Big-Band-Leader des Jazz von Count Basie bis Sun Ra. Das VAO besteht wie einst die legendäre Clarke-Boland-Big-Band aus einem festen Stamm gestandener Solisten, und ihr uneingeschränkt anerkannter Chef kann ihnen so die Musik auf den Leib schreiben. Die zwölf Nummern - oder vielleicht besser Strophen - der "Big Band Poesie" sind mit zwölf bekannten Zitaten von zwölf bedeutenden Big-Band-Legenden betitelt. Auch wenn die Musik zum Glück nur lose eine Assoziation mit den Wortschöpfern sucht, wirkt sie doch etwas VAO-ungewohnt mit ihrer ungehemmten Lust an deftig swingenden oder latin groovenden Sounds und riffend beleiteten, ausgedehnten muskulösen Solopartien. Trotzdem klingt das alles hier irgendwie neuzeitlicher, dichter, homogener, als man es aus der Tradition kennt: Das Geheimnis liegt in der diskreten simultanen Zumischung von elektronischen Sounds, die sich meist nur knapp über die direkte Wahrnehmungsschwelle wagen. Erst im letzten Titel "I helped to KILL the dance business" dürfen sie selbstironisch mit einem kurzen hippen Dancefloor-Hop statt der ganzen Band übernehmen. Wenn man den Worten des Leaders glauben darf, dann muss man das Programm als konsequent geplante Live-Show erleben. Die CD allein sorgt schon mal für wildes Kino im Kopf.

Thomas Fitterling, 04.12.2002



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Wenn man eine Umfrage über die Lieblingsjahreszeiten machen würde, dann würde der Winter dabei vermutlich eher schlecht abschneiden. Zu kalt, zu nass, zu dunkel – so die landläufige Meinung über diesen introvertierten Bruder des sonnensatten Sommers und der farbenfrohen Übergangszeiten. Nur Weihnachten, das bildet ein kleines, gemütliches (wenn auch für viele nicht unstressiges) Glanzlicht in der Winter-Tristesse. Doch der Winter ist weit mehr als nur die dunkle Jahreszeit, das hat […] mehr »


Top