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NuBox

SDM 19/Soul Food NIN-1903 2
(47 Min., 2004) 1 CD

Die Gründerväter der unabhängigen Labels kommen in die großen runden Jubiläumsjahre. Schön, wenn dann die Kinder in dieser Erwachsenenwelt ankommen. David Winckelmann hat als DJ vom Vater Matthias die Entdeckerfreude an der Musik und als Designer die gestalterische Begabung der Mutter geerbt. Nun darf er musikalisch und grafisch das für ihn eingerichtete Sublabel 19_enja betreuen. Hier sollen die Enja-Klänge auf eigenständige "Wege in die Klanglandschaften von NuJazz, Breakbeat, Dub, Downtempo usw." gebracht werden. Da verspricht eine Neuproduktion mit dem fast legendären Blue-Box-Trio, das sich nun explizit als "NuBox" derzeit angesagter electronic Mixes bedient, den neuen Ansatz beispielhaft auf den Punkt zu bringen. Blue Box, das sind der Trompeter Rainer Winterschlagen, der Bassist Alois Kott und der Schlagzeuger Peter E. Eisolt. In den achtziger Jahren spielten sie aus dem Geiste des europäischen New Jazz eine radikal risiko-offene Interaktionsmusik, die gewissermaßen der Miles-Davis-Musik von damals den aus der klassischen Quintett-Zeit verloren gegangenen wilden Impetus zeitgeistig mit knackigen Beats und gelegentlich auch elektronischer Verfremdung eintrieb. Nach zehnjähriger Pause folgt die NuBox paradoxerweise einem damals gängigen Slogan vom "back to the future", spielt mit den ausgebufft futuristischen Mitteln des Ambient Remixings eine Musik, die sich über weite Strecken wie ein entzerrtes "On the Corner" anhört, wie Miles Davis’ sperrig abgedrehtes Avantgarde-Funk-Album aus den Siebzigern. Der entstellte Miles-Lyrismus an der gestopften Trompete schmeichelt wieder. Die kruden analogen E-Effekte sind perfekte Soundbausteine. Anders gesagt: die Tracks kommen als hübsche Moods and Grooves zwischen Joo Kraus und Till Brönner und doch auch der alten Blue Box daher- und weil man selber nicht säuselt, wird für einen Track eine neuseeländische Volksliedaufnahme recycelt. Irgendwie erinnert das alles an drei gute alte Freunde, die sich einst die brillantesten Wortgefechte lieferten, doch nun scheint alles gesagt, und das schöne gegenseitige Einvernehmen bedarf der Worte nicht, interagiert nicht mehr, lässt sich nur noch atmosphärisch inszenieren. Ob das die Generation der Söhne anspricht?

Thomas Fitterling, 11.12.2004



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