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Come Dance With Me

Annette Neuffer

yvp/Fenn Music 3103
(62 Min., 10/2001) 1 CD

Wer mit koketter Pose dennoch so offen und herzlich und zugleich charmant in die Kamera lacht, der kann einfach keine prätentiöse Musik machen. Aber es wäre weit verfehlt, die Flügelhornistin und Sängerin Annette Neuffer in die Kategorie der treuherzigen Modernisten einzuordnen. Zunächst hat die Dame eine Band, die sich nicht zu verstecken braucht.
Da stimmt nicht nur die Rhythmusgruppe mit Pianist Bernhard Pichl und Schlagzeuger Hendrik Smock, sondern auch ihr Bläserkollege Claus Koch ist eine Klasse für sich. Erfrischend orientiert sich der eher an Dexter Gordon als an den allgegenwärtigen Young-Lions-Vorbildern. Und wie einst Lester Young bei Billie Holiday versteht er sich auf die subtilen gegenläufigen Begleitmelodielinien hinter der Sängerin. Dass er selber seine eigenen Soli mit Autorität zu artikulieren weiß, versteht sich von selbst.
Annette Neuffer ist als Sängerin ein Glücksfall, denn sie ist eine hochschuldiplomierte Instrumentalistin. Als solche hat sie Instrumente imitierendes Scatten nicht nötig, denn auf dem Flügelhorn weiß sie mit weichem warmen Ton stimmungsvoll zwingend logische Linien zu blasen, und als Sängerin kann sie sich so ganz auf die gestaltende Phrasierung der selten gehörten Titel aus dem Great American Songbook konzentrieren. Es ist eine Freude, den makellos intonierten und mit klarem, manchmal leicht metallischem Timbre vorgetragenen Geschichten, die sie ganz natürlich und doch so persönlich spannend gestaltet, zu folgen. Da stört kein peinlicher Akzent und kein aufgesetztes laszives Gehabe. Die Gefahr ist gegeben, dass das Label yvp, das unermüdlich weniger spektakuläre Musiker der einheimischen Szene fördert, diese Künstlerin an ein Major Label verliert.

Thomas Fitterling, 25.07.2002



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