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N° 1281
26.11. - 02.12.2022

nächste Aktualisierung
am 03.12.2022



Die Blockbuster-Oper „Robert der Teufel“ war 1831 in Paris die Sensation der schönen neuen Welt. Der Modeschreiber Eugène Scribe hatte das Buch verfasst und der begüterte deutsche Jude Giacomo Meyerbeer, der gerade mit seinen italienischen Opern reüssiert hatte, fand nie gehörte Klänge für die Mischung aus Volkssage und Grusel-Kolportage, Ritterromanze und Teufelsspuk, tönendem Erotikon und scheinheilig orgelumbraustem Happy End. Das reizte die Sinne, das ließ die Kasse klingeln. Eine uneigentliche, fantastisch auf Wirkung komponierte Musik, eine geniale Dramaturgie, perfekte Bühnentricks und als Krönung das verruchte Nonnenballett – das musste man gesehen haben.
So nebenbei gelang es Meyerbeer außerdem, mit seiner dunkel gehärteten, hektisch rhythmisierten Partitur seiner Zeit den Spiegel vorzuhalten; und mit seinen Männerrollen, dem zögerlich unsympathischen Robert und dessen der Liebe und dem Tod verfallenen Höllenvater Bertram, schuf er zwei der interessantesten, wirkungsmächtigsten Sängerpartien des 19. Jahrhunderts. Doch jetzt erst gibt es, dank Palazzetto Bru Zane, die erste Studioaufnahme der noch buntscheckig unausgewogenen Partitur. Marc Minkowski, durchaus Meyerbeer-erfahren, überwältigt am Pult des Orchesters National Bordeaux Aquitaine mit dunklen Farben und aggressiver Rhythmik. In den eigentlich blassen Frauenrollen glänzen Erin Morley (Isabelle) mit persönlich ausziseliertem Sopran und Amina Edris (Alice) mit feinsten Glissandi und wuchtigen Tönen. Auch der heldische John Osborn als Robert kommt mit seiner mörderisch hohen Tenorpartie gut zurecht. Und Nicolas Courjal als Bertram begeistert mit vitriolgetränktem Kavaliersbass samt samtigem Timbre, agiler Finesse und voluminösem Können.

Matthias Siehler, 19.11.2022



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