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N° 1282
03. - 09.12.2022

nächste Aktualisierung
am 10.12.2022



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Wolfgang Amadeus Mozart, Ludwig van Beethoven, Josef Mysliveček, Joseph Haydn

„Unreleased“ (Konzertarien)

Cecilia Bartoli, Maxim Vengerov, Kammerorchester Basel, Muhai Tang

Decca/Universal 002894852093
(63 Min., 11/2013)

Sofort ist die Mezzo-Katze aus dem Sack. Kratzt, faucht, erregt sich. Im wild auffahrenden Rezitativ „Ah! perfido!“ aus Ludwig van Beethovens gleichnamiger, immer schon als Primadonnen-Vehikel guten Gesangsszene. So sind wir es von dem römischen Temperamentsbündel Cecilia Bartoli gewohnt, so hat sie seit Jahrzehnten schon ihre vielen, vielen Fans mit der bunten Palette ihrer vokalen Farbaffekte in den Bann gezogen. Sehr frisch hört sich das an, packend unmittelbar, eine Sängerin auf der Höhe ihrer stimmlichen Möglichkeiten. 55 Jahre ist sie inzwischen alt, im vierten Jahrzehnt verläuft ihre Weltkarriere.
Doch auch eine Cecilia Bartoli hat das Geheimnis ewiger Jugend nicht gepachtet. Sie geht freilich aktiv gegen die verlaufende Zeit vor. Denn ihre wie immer gut vorbereitete Plattenlegende will uns nun glauben lassen, sie habe in den Zeiten des Lockdowns beim Stöbern im eigenen Archiv ein ganzes, tatsächlich vergessenes Album mit Konzertarien von Mozart, Haydn, Beethoven und dem Prager Mozart-Freund Josef Mysliveček wiederentdeckt! Ebenfalls mit dabei: Maxim Vengerovs zart-schmelzende Stradivari, die zweimal Mozart obligat begleitet und Muhai Tang, der mit elegantem Schwung das Kammerorchester Basel dirigiert. Ende 2013 sind diese Einspielungen entstanden. Wahrscheinlicher ist: La Bartoli hatte bereits für Zeiten vorgesorgt, wenn die Stimme nicht mehr den Zauber der Jugend atmet, wenn das Alter auch des Vokalapparats nicht mehr zu leugnen ist. Andere Frauen frieren vorsichtshalber Eizellen ein, Cecilia Bartoli hat Arien ins Kühlregal gelegt. Coverfotos kann sie längst perfekt fotoshoppen, aber auf ihrem klangfrischen Album „Unreleased“ tönt sie uns nun als acht Jahre jüngerer Avatar entgegen. Was der Poplegende Abba recht ist, das kann auch einem Klassik-Hitwunder wie Cecilia Bartoli wohl billig sein.

Matthias Siehler, 04.12.2021



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