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N° 1289
21. - 27.01.2023

nächste Aktualisierung
am 28.01.2023



Er hat es bis heute nicht leicht. Antonio Salieri (1750–1825) muss verleumdet als Mozart-Mörder weiterhin den Buhmann der Musikgeschichte geben. Dabei offenbart seine Musik doch weit mehr Originalität und Finesse als man dem genielosen Trittbrettfahrer auf dem musikalischen Zeitgeist der Aufklärung für gewöhnlich zubilligt, als der Salieri noch immer weithin angesehen wird. Nicht so bei Christophe Rousset, der sich längst zu einem konsequenten Salieri-Entdecker gemausert hat und sich seit Jahren für dessen 50 Werke umfassendes Opernschaffen starkmacht. Auch für Roussets vierten CD-Anlauf mit der frühen Wiener „Armida“ von 1771 gilt: ein mitreißend wuchtiger Wirbelsturm gesungener Gefühle, dramatischer Chöre, scharf geschnittener Szenenfolgen und aufflammender Arien. Wie sehr Salieri bei seinem Förderer Gluck gelernt hat, wie er „magisch-heroisch-lieblich, und das Tragische berührend“ vorgeht, sich so emanzipiert und eigene, fantasievolle Wege gefunden hat, dass offenbart diese begeisternde Seria-Ersteinspielung. Wieder einmal wütet singend und hohe Noten sprühend die erst in Rinaldo verliebte, dann über dessen Befreiung durch seinen Gefährten Ubaldo rachsüchtige Zauberin aus Tassos Versepos „Das befreite Jerusalem“ über die Opernbühne. Selten freilich tat sie das so konzentriert, mit nur drei anderen Personen im Quartett fatal und psychologisch so ausgefeilt. Vor allem Lenneke Ruiten in der Titelrolle lässt es magisch sopranfunkeln und -toben, Florie Valiquette ist ein lyrisch blindverliebter Rinaldo. Teresa Iervolino gibt mit weichem Mezzo die Vertraute Ismene, der geschmeidige Ashley Riches ist Ubaldo. Der Kammerchor aus Namur und Les Talens Lyriques leistet klanglich Großartiges.

Matthias Siehler, 06.03.2021



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