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N° 1230
04. - 10.12.2021

nächste Aktualisierung
am 11.12.2021



Wer einmal in Aldeburgh, dem gräulich geduckten Fischerflecken an der Küste von Suffolk, am Kieselstrand stand, der weiß, was der dort gestorbene Benjamin Britten in seinem „Peter Grimes“ komponierte, insbesondere in den „Sea Interludes“: kalte Sonne über flach glitzernden Wellen, peitschende Wogen und Winde, Nebel, Regen. Natur spielt hier eine Hauptrolle. Was nicht heißt, dass in dieser ausweglosen Geschichte, wo ein Unangepasster, ein grober Klotz, vielleicht Schwuler (wie der Komponist) sich gegen die nur in der Masse starke Dorfgemeinschaft behaupten muss, wo detailpusseliger Realismus mit Fischernetz und Ölzeug angesagt ist. Denn wie bei jeder guten Oper weitet sich Konkretes in Universelles aus. Wetter und Wellen reflektieren, kommentieren, verstärken, konterkarieren die Handlung. So hört man dieser meisterhaft flüssigen wie zugespitzten Neueinspielung fasziniert zu. Zumal sich übers Meer die Kräfte klanglich vereinen: Edward Gardner ist ein Britten-erfahrener wie -liebender Engländer, sein Bergen Philharmonic Orchestra ist im wasseraffinen Norwegen zu Hauses. Das mischt sich prima, zumal lauter kompetente Native Singer dabei sind: Stuart Skeltons ambivalenter, durchaus schwerfälliger Titelheld hat sich über Rollenerfahrungsjahre nuanciert, aber noch immer kraftvoll strahlend entwickelt. Darüber schwebt die Ellen Orford von Erin Wall vollmundig und weiblich. Toll der Chor und all die prallen Gesangsschauspieler wie Roderick Williams, Susan Bickley, Catherine Wyn-Rogers, Robert Murray und James Gilchrist.

Matthias Siehler, 03.10.2020



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