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Rodion Schtschedrin, Ottorino Respighi

Carmen-Suite / Pini di Roma

Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, Mariss Jansons

BR Klassik/Naxos 900183
(66 Min., 11/2017, 05/2019)

Der König ist tot, es lebe der König. Auf dem Petersburger Grab liegen noch die gefrorenen Rosen, doch die Münchner Zeitungen überbieten sich bereits in Spekulationen darüber, wer die Nachfolge von Mariss Jansons als Chefdirigent des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks antreten könnte. Und die Marketing-Abteilung bereitet – was sie sowieso getan hätte – auf dem hauseigenen Label BR Klassik weitere, letzte und allerletzte Veröffentlichungen vor. So steht zunächst ein attraktives Doppel mit leckerer Programmmusik an, bei dem Jansons wie seine Musiker ihr altmeisterliches Können auf der großen, üppigen Klangpalette vorführen können. Zunächst ist die freilich reizvoll begrenzt, denn Rodion Schtschtedrin hat 1968 seine „Carmen“-Suite nach Bizet in 13 Szenen als Ballett-Vehikel für seine Frau, die Primaballerina assoluta Maja Plissezkaja, auf Streichorchester und Schlagwerk reduziert. Jansons, dem die süffige Partitur sicher aus seiner Sowjetzeit vertraut war, entfesselt da subtile Valeurs, lässt das Populäre rhythmisch straff, aber nie billig angenehm neu tönen. Zudem ist das eine schöne Erweiterung des Jansonschen CD-Repertoires. Ottorino Respighis spätromantisch klingende, dabei brillant orchestrierte Trilogie der „Pini di Roma“ von 1924 hat der geliebte Maestro schon einmal – zusammen mit den Schwesterstücken der römischen Feste und Brunnen – mit dem Oslo Philharmonic Orchestra zwischen 1990 und 1996 für EMI aufgenommen. Diesmal freilich scheint hier vornehmlich der aufmerksam ausgehörte Abenddämmer der Gianicolo-Pinien samt echter Nachtigall vorzuherrschen; auch wenn am Ende wieder die römischen Legionäre vornehm blechschmetternd über die Via Appia und ihren stoischen Baumbestand ziehen.

Matthias Siehler, 25.01.2020



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