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Franz Liszt

Petrarca Sonette 47, 104, 123

Andrè Schuen, Daniel Heide

CAvi/harmonia mundi CAVI 8553472
(65 Min., 9/2018)

Der junge Südtiroler Bariton Andrè Schuen ist seit Anfang seiner sich schön, aber nicht überhetzt entwickelnden Karriere immer zweigleisig gefahren: Lied und Konzert waren ihm, der der ladinischen Sprachminorität angehört, immer gleich wichtig; das Lied aber besonders teurer. Man merkt das seiner natürlichen Annäherung an, die doch auf höchster Kunstfertigkeit beruht. Nur so ist es möglich, dass die schweren, nachdenklichen Stücke Franz Liszts nach Petrarca-Sonetten so liedhaft schlank und doch mit einer knorrigen Vehemenz seiner Kehle entströmen. Manchmal macht der 35-Jährige fast zu viel Druck, denn die Stimme hat auch so aufhorchen lassende Autorität, kann dunkel und schwer klingen, dann wieder lyrisch, ja verführerisch-erotisch. Was dieser gern zu trocken genommenen, kontemplativ in eine strenge Form gepressten Musik sehr gut tut. Eigenwillig sind die stellenweise kehligen Phrasen, auch das Italienisch hat einen ganz besonders weichen Einschlag. So hört man gebannt zu, auch weil sein Klavierpartner Daniel Heide ganz eng an ihm dran ist, auf einem Atem mitphrasiert. Der hält sich angenehm im Hintergrund, darf aber – kluge Mischform – dann gleich noch einmal mit sanft frischer Attitüde die fast noch berühmtere Klavierfassung der drei Sonette 47, 104 und 123 vortragen. Und weil diese CD der Start einer bisher noch nicht vorliegenden Gesamtaufnahme aller Liszt-Lieder ist, die unter Heides Leitung entsteht, folgt zudem die Zweitfassung der neuerlich souverän servierten Liedversionen, die Liszt Jahre später komponierte, weil ihn Dichter und Sujet nicht losließen. Ein spannender Editionsanfang als Blick in die Werkstatt – der Hörlust auf mehr macht.

Matthias Siehler, 14.09.2019



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