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Zoltán Kodály, Béla Bartók

Konzerte für Orchester

Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin, Jakub Hrůša

Pentatone/Naxos PTC5186626
(55 Min., 6/2017) SACD

Eine richtige Studioproduktion mit Orchester, solches gönnt Pentatone noch seinem langjährigen Kooperationspartner, dem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin. Das sich dafür mit einem ausgewogenen Klangbild und motiviertem Spiel revanchiert, welches freilich diesmal etwas heller und zugespitzter geformt ist als unter seinem allmächtigen Ex-Chef Marek Janowski. Denn es steht der erst 36-jährige Tscheche Jakub Hrůša am Pult. Der geborene Brünner geht bei den Bamberger Symphonikern gerade in die Finalkurve seiner zweiten Chefspielzeit, ist aber jetzt schon einer der äußerst angesagten Maestri seiner Generation. Pentatone realisiert mit dieser Aufnahme bereits seine vierte CD mit ihm. Diesmal gilt sie zwei ungarischen Concerti für Orchester – dem maßvoll neobarocken von Zoltán Kodály und dem ungleich berühmteren seines gleichaltrigen Mitschülers und Freundes Béla Bartók. Eine aparte Kombination. Beide virtuos die Fähigkeiten eines modernen Klangkörpers ausreizende Werke wurden übrigens von amerikanischen Orchestern bestellt und in kurzem Abstand voneinander 1941 bzw. 1944 in Chicago und Boston uraufgeführt. Das knappe Kodály-Konzert mit seinem feinen Rankenwerk stand allerdings immer im Schatten seines ungleich ausufernden Schwesternstücks. Nun ist dem sterbenskranken Bartók hier aber auch ein grandios finales, Bilanz ziehendes Opus gelungen, das längst zu den meistgespielten des 20. Jahrhunderts gehört. Das RSB absolviert es mit lockerem Gestus, Jakub Hrůša weiß dabei auch Präzision und Klangpracht abzufordern. Das Virtuose steht nicht im Vordergrund, obwohl sich im zweiten Satz, dem „Spiel der Paare“, die Solisten hervortun und die plötzlichen Stilwechsel wie das rasante Floskelgewirr des 4. Satzes klar herausgearbeitet sind – es geht vielmehr um das Ensemble selbst, die tönende Gemeinschaft, die sich in stets neuen Konstellationen findet und artikuliert.

Matthias Siehler, 19.05.2018



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