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N° 1237
22. - 28.01.2022

nächste Aktualisierung
am 29.01.2022



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Moment der Wahrheit: Bruce (Xiaoyu) Liu freut sich nach der Preisverkündung über die Glückwünsche © Darek Golik/NIFC

Pasticcio

Chopin-Könner

15 Jahre lang war beim renommierten Chopin-Wettbewerb in Warschau der erste Preis nicht vergeben worden. Bis im Oktober 2000 ein gerade mal 18-jähriger Jüngling aus dem fernen China kam, spielte und siegte. Es war nicht Lang Lang, sondern sein schon damals wesentlich talentierterer Landsmann Yundi Li. Und wie es sich auch für die Schallplattenbranche gehörte, riss man sich sofort um diesen frischgekürten Sieger. Die Deutsche Grammophon machte das Rennen. Später wechselte Yundi Li zwischendurch zu EMI – um schließlich wieder zur DG zurückzukehren, und weitere vielbeachtete Alben aufzunehmen. Aktuell macht der 39-Jährige aber nicht mit neuem Tonträger oder Recital-Programm von sich reden. Vielmehr hat ihn sein Date mit einer Prostituierten nun ins chinesische Gefängnis und damit in die „Boulevard“-Schlagzeilen gebracht. Zwar hatte die Polizei versucht, den Fall zu anonymisieren. Trotzdem ist mittlerweile herausgekommen, dass Yundi Li im Sinne des chinesischen Gesetzbuches eine Straftat begangen hat. Was nun an möglicherweise schweren Repressalien auf ihn zukommen werden, steht noch in den Sternen. Der chinesische Musikverband zumindest hat schon Konsequenzen gezogen und ihren Klavierstar rausgeworfen.
„Party machen.“ So lautete nun die Antwort von Bruce (Xiaoyu) Liu auf die Frage, was er denn jetzt nach dem ganzen Wettbewerbsstress machen will. Ok. Zwischendurch will er auch noch etwas schlafen, wie der 24-Jährige Kanadier mit chinesischen Wurzeln bei der Pressekonferenz hinzufügte, in der plötzlich im Blitzlichtgewitter stand. Denn kurz zuvor konnte er sich erfolgreich in jene Siegerlist des Warschauer Chopin-Wettbewerbs eintragen, den zuvor Maurizio Pollini, Martha Argerich und auch Yundi Li gewonnen hatten. Ein Jahr lang, in völliger, coronabedingter Einsamkeit, hatte sich der in Paris geborene und in Montreal ausgebildete Bruce Liu auf das große Ausscheidungsrennen vorbereitet. Und nun ist er nicht nur um eine Trophäe sowie 40.000 Euro Preisgeld reicher. Auch die Deutsche Grammophon hat sich ihn bereits geschnappt und veröffentlicht bereits in diesen Tagen ein noch ofenwarmes Live-Album mit ihm.

Guido Fischer



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