home

N° 1223
16. - 22.10.2021

nächste Aktualisierung
am 23.10.2021



Startseite · Klang · Magazin

Magazin

Schätze für den Plattenschrank

Viele Saiten

Als Gidon Kremer 1975 in München sein erstes Konzert in Westdeutschland gab, waren die Erwartungen riesig. Denn seit dem Gewinn des Moskauer Tschaikowski-Wettbewerbs galt der Schüler von David Oistrach als neue sowjetische Violinsensation. Doch statt die Vorschusslorbeeren mit etwa Beethoven zu bestätigten, spielte Kremer bis auf die große Bach-Chaconne ausschließlich Raritäten. Darunter ein irrwitziges Variationswerk des kaum bekannten Paganini-Kollegen Heinrich Wilhelm Ernst. Schon damals begeisterte sich der aus Riga stammende Kremer für Repertoire-Schmankerl, die die meisten seiner Kollegen überheblich ignorierten. Aber für Kremer war es stets wichtig, „offen für alles zu bleiben und auch gegen Vorurteile zu kämpfen.“ Und diesem Credo ist er bis heute treu geblieben. Kein Wunder, dass jede diskografisch umfangreiche Würdigung dieses Ausnahmemusikers sich auch als Wundertüte erweist. Schließlich suchte er immer nach neuen musikalischen und interpretatorischen Wegen. Routine? Die gab es daher auch in den 1970er- bis 1990er-Jahren nicht, in denen er für die Labels Teldec, EMI Classics und Erato durchweg großartige bis fantastische Schallplatten und CDs einspielte. Dazu gehören die Violinkonzerte von Beethoven, Brahms und Schumann, die er mit unterschiedlichen Dialogpartnern wie Nikolaus Harnoncourt und Herbert von Karajan einspielte. Einen besonders großen Stellenwert nehmen Kremers Herzenskomponisten Astor Piazzolla und Alfred Schnittke ein. Und während er zudem in die Welt des Kinos einlädt, mit Piècen von Schostakowitsch bis Chaplin, gipfelt diese Box in einem 2006 in Berlin entstandenen Konzertmitschnitt – als sich Gidon Kremer mit seiner Freundin Martha Argerich Schumann, Bartók und Kreisler widmete.

Gidon Kremer: „The Warner Collection“, 21 CDs

Warner Classics

Als JPC- und Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen.

Guido Fischer, RONDO Ausgabe 4 / 2021



Kommentare

Kommentar posten

Für diesen Artikel gibt es noch keine Kommentare.


Das könnte Sie auch interessieren

Gefragt

Christiane Karg

Antike Klarheit

Gemeinsam mit Romina Basso ist die Sopranistin der Star auf der letzten, der Antike gewidmeten CD […]
zum Artikel

Pasticcio

Von Baustellen und Finanzlöchern

Im Norden der Republik, in Hamburg, geht momentan alles wohl endlich seinen geplanten Gang. […]
zum Artikel


CD zum Sonntag

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Der Beginn ist bekanntlich eine sehr delikate Phase. Womit also fängt man an, als junges Klaviertrio, die ersten Schritte machend auf dem diskografischen Karriereweg? Das Silver Trio hat für sein Album-Debüt Beethoven, Rachmaninow und Bernstein ausgewählt. Eine durchaus merkwürdige Kombination, nicht weil man Musik verschiedener Epochen nicht auf einer CD vereinen dürfe – ganz im Gegenteil, so machen es viele Ensembles teils mit großem Erfolg. Da einem aber irgendwie keine Verbindung […] mehr


Abo

Top