home

N° 1229
27.11. - 03.12.2021

nächste Aktualisierung
am 04.12.2021



Startseite · Klang · Musik-Krimi

(c) Pixabay

Musik-Krimi

Ein Schuss im Konzertsaal

Samuel von Reiffenstein kam aufs Podium, begrüßte den Konzertmeister und wandte sich zum Publikum, um den Begrüßungsapplaus entgegenzunehmen. Sekunden später tönten hüpfende Holzbläserfanfaren durch den Saal. Der Beginn von Richard Strauss’ Tondichtung „Don Quixote“. Doktor Stradivari schloss die Augen. Er wollte die Musik ohne jede Ablenkung auf sich wirken lassen. Natürlich kannte er die Tondichtung sehr gut, und er wusste auch, was die einzelnen Teile des Werks beschrieben. Am Beginn stand die musikalische Vorstellung des berühmten eingebildeten Ritters, der in seiner Sucht nach Abenteuerromanen den Verstand verloren hatte. Dann folgten die einzelnen Episoden aus Cervantes’ Roman, von denen der Kampf gegen die Windmühlen, die Don Quixote für Riesen hielt, die berühmteste war. Aber auch andere Handlungselemente fehlten nicht. So beschrieb Strauss unter anderem die Begegnung des Helden mit dem Bauernmädchen Dulcinea – für ihn eine hohe Hofdame. Ein Rascheln mischte sich in die Musik. Das Geräusch war entstanden, weil der Dirigent, kaum vier Meter vom Platz des Doktors entfernt, die erste Seite der riesigen Partitur umgeblättert hatte. Nur einen Sekundenbruchteil später peitschte ein Schuss durch den Saal. Von Reiffenstein brach zusammen. Sofort hörten die Orchestermusiker auf zu spielen. Schreie ertönten, Panik brach aus ... Später saß der Doktor bei Hauptkommissar Reuter im Büro. „Ich weiß, Sie haben nichts gesehen“, sagte der Beamte, „aber ich hoffe, Sie können uns helfen, den Fall zu klären.“ „Ich wüsste nicht wie“, gab der Doktor zurück. „Wir haben einige Erkenntnisse. Der Mörder muss sich neben der Bühne aufgehalten haben, wo er ganz allein und ungestört war. Er ist nach der Tat unerkannt durch den Hinterausgang geflohen. Er hat eine Pistole benutzt, die wir bis jetzt nicht finden konnten.“ „Das klingt nicht erfolgversprechend.“ „Aber wir haben ein mögliches Motiv. Von Reiffenstein hatte Beziehungen zu zwei verheirateten Frauen. Wir glauben, dass der Mörder einer der beiden Ehemänner ist. Beide haben den Maestro schon einmal bedroht. Gestern bekam er eine anonyme Mail. Darin steht sinngemäß, dass der Dirigent in der sogenannten Dulcinea-Variation sterben würde. Von Reiffenstein hat die Drohung wohl nicht ernst genommen.“ „Immerhin zwei Verdächtige“, sagte Stradivari. „Die auch beide kein Alibi haben. Die Männer heißen Manfred Berger und Lucio Rossi. Berger hat immer wieder Ärger mit seiner Frau, weil sie klassische Konzerte liebt, er aber mit dieser Musik gar nichts anfangen kann und keine Ahnung davon hat. Rossi dagegen ist selbst Dirigent, er war sogar von Reiffensteins Schüler. Ich glaube, dass Rossi eher der Mörder war, wenn er solche Angaben in einer Mail macht.“ „Das klingt logisch“, sagte Stradivari. „Aber so einfach ist es nicht. Ehrlich gesagt gibt es sogar einen gewichtigen Grund, warum vielmehr Berger den Dirigenten erschossen haben dürfte.“
Warum glaubt Doktor Stradivari das?

Doktor Stradivari ermittelt – und Sie können gewinnen!

Wenn Sie die Lösung wissen, schreiben Sie sie an stradivari@rondomagazin.de oder postalisch an RONDO, Kurfürstendamm 211, 10719 Berlin – bitte auch Ihre Kontaktdaten nicht vergessen! Unter allen Zuschriften verlost RONDO in Kooperation mit harmonia mundi fünf Exemplare der neuen Einspielung von Richard Strauss’ Tondichtung „Don Quixote“ und weiterer Werke, hochkarätig besetzt mit Bratschistin Tabea Zimmermann, Cellist Jean-Guihen Queyras und dem Gürzenich-Orchester Köln unter Chefdirigent François-Xavier Roth. Einsendeschluss ist der 24. September 2021. Viel Glück!

Auflösung aus Magazin 3/2021

Überwachsungskamera via Verkehrsspiegel hinhält, als Hinweis auf seinen Peiniger? Da muss man nicht nur um die Ecke gucken, sondern auch denken können. Hauptkommissar Reuter hat die Botschaft des Entführten schon fast richtig interpretiert, allerdings etwas übersehen. Da es sich bei dem Klavierquintett op. 44 von Robert Schumann um ein Werk in Es-Dur handelt, lauten die Noten, die das Entführungsopfer zeigt, nicht D und E, was für Dieter Ehrling hätte stehen können, sondern D und Es. Sieht man das Es als Buchstaben S, ergeben sich die Initialen von Sontheimers Frau Diana, auf die das Opfer somit hinweist. Übrigens hat der Komponist Dmitri Schostakowitsch auf ähnliche Weise seinen eigenen Namen in vielen seiner Werke verschlüsselt als musikalisches Motiv untergebracht – mit den Noten D, Es (S), C und H.

Oliver Buslau, RONDO Ausgabe 4 / 2021



Kommentare

Kommentar posten

Für diesen Artikel gibt es noch keine Kommentare.


Das könnte Sie auch interessieren

Pasticcio

Jaja, der „Sigi“, dieser Hallodri…

2016 ging eine erste kleine Empörungswelle durch die Beletage der deutschen Kultur- und […]
zum Artikel

Hausbesuch

Wiener Symphoniker

„Nicht zu Deutsch, bitte!“

Philippe Jordan setzt aufs Kernrepertoire bei seinem Wiener Orchester – und hat den Klangkörper […]
zum Artikel


CD zum Sonntag

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Zum Warmwerden: Von Tenören, die gerne auf der Rasierklinge zwischen Kunst und Kommerz reiten, ist es ja bekannt. Das aber auch Instrumentalisten „ihr“ Weihnachtsalbum aufnehmen, hat Seltenheitswert. Zumal, wenn es auch noch so glückt wie im Fall des Harfenisten Xavier de Maistre. Der verbindet gleich mehrere Programmideen. So ist dieses Album nämlich nicht nur Begleitmusik fürs Weihnachtszimmer, sondern auch eine Verneigung vor einem großen Kollegen unter den Konzertharfenisten, […] mehr


Abo

Top