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Doktor Stradivari

Folge 31: Mord während der Probe

Eine ermordete Inhaberin einer Kosmetikstudiokette?“, fragte Doktor Stradivari und sah Hauptkommissar Reuter verständnislos an. „Sie benachrichtigen mich doch sonst nur, wenn es in Ihren Fällen um Musik geht. In diesem Fall aber …“ „Bitte etwas Geduld, Herr Doktor“, unterbrach Reuter. Er räusperte sich. „Die Ermordete war Sabine Breuer, die getrennt lebende Frau des Pianisten Eberhard Kiesfeld.“ „Tatsächlich?“, hakte Doktor Stradivari ein. „Durch Zufall las ich neulich davon, dass er sich von seiner Frau getrennt hat und nun mit Lucia del Bergamo zusammenlebt – der blinden Geigerin, mit der er seit etwa zehn Jahren großartige Kammermusikabende gibt. Na gut … Und wie kann ich Ihnen nun helfen?“ „Wir haben einen Verdächtigen, aber uns fehlt die Möglichkeit, ihn dingfest zu machen.“
„Und wer ist es?“ „Kiesfeld selbst. Bei einer Scheidung hätte er eine Menge Geld verloren. Nun aber erbt er die Geschäfte seiner toten Frau. Außerdem haben wir die Pistole, die bei dem Mord verwendet wurde, in einer Abfalltonne an dem Gebäude gefunden, wo er mit Lucia del Bergamo immer probt. Es liegt in der Nähe des Tatorts, im Nachbarhaus. Frau Breuer kam in ihrer eigenen Wohnung um, zu der Kiesfeld allerdings auch noch einen Schlüssel besaß.“ „Und wo ist der Haken?“, fragte Doktor Stradivari.
Der Hauptkommissar seufzte. „Der Mord, bei dem der Täter übrigens einen Schalldämpfer benutzte, geschah nicht vor 19.53 Uhr. Das wissen wir, weil wir den Zeitpunkt von Frau Breuers letztem Telefongespräch kennen. Gegen halb neun fand man sie. Zur selben Zeit probte Kiesfeld mit Lucia del Bergamo nebenan ein neues Programm.“ Reuter las von einem Zettel ab. „Eine Sonate von Poulenc, ‚Tzigane‘ von Ravel und die zweite Sonate von Bartók.“ „Eine schöne Auswahl“, sagte Doktor Stradivari.
„Das mag ja sein“, meinte der Hauptkommissar. „Zeugen bestätigen jedenfalls, dass in dem Übungsraum von viertel nach sieben bis viertel vor neun praktisch ununterbrochen Musik erklang. Wenn Kiesfeld hinübergehen und Frau Breuer hätte ermorden wollen, hätte er circa vier Minuten dazu gebraucht. Es gab aber keine Musikunterbrechung, die länger als eine Minute war. Frau Bergamo sagte selbst auch aus, dass sie praktisch ununterbrochen gespielt haben. Kiesfeld hatte vorher sogar den Nachbarn Bescheid gesagt und sich im Voraus für die ungewohnte Belästigung entschuldigt, da sie sonst nur tagsüber üben. Aber sie spielen das Programm am Wochenende in der Philharmonie, und es war wohl noch viel einzustudieren.“ „Wohl kaum“, sagte Stradivari. „Wie meinen Sie das?“ „Sie werden es nicht spielen, weil Sie Kiesfeld festnehmen werden. So wie es aussieht, könnte er tatsächlich der Mörder sein.“
Wie kommt Doktor Stradivari zu dieser Feststellung?

Auflösung aus Magazin 1/2018:

Eine Schallplatte, auf der der legendäre Uraufführungsskandal von Igor Strawinskis „Le sacre du printemps“ festgehalten wurde? Das wäre in der Tat eine Sensation, die einen Mord rechtfertigt. Doch darf man einem Antiquitätenhändler wie Gerd Hansen zutrauen, dass er die Umstände sauber recherchiert. Dabei wird ihm aufgefallen sein, dass „Le sacre“ nicht am Palais Garnier uraufgeführt wurde, wie Laurent behauptete, sondern am Théâtre des Champs-Élysées – die Platte war also eine Fälschung. Mit diesem Wissen hätte Hansen wohl kaum einen Mord begangen. Die Indizien verweisen auf Hoteldieb Timo Nowak.


Doktor Stradivari ermittelt - und Sie können gewinnen!

Wenn Sie die Lösung wissen, schreiben Sie sie an stradivari@rondomagazin.de oder postalisch an RONDO, Kurfürstendamm 211, 10719 Berlin – bitte auch Ihre Kontaktdaten nicht vergessen! Unter allen Zuschriften verlost RONDO in Kooperation mit dem Label Alpha fünf Mal das neue Album „Deux“ von Patricia Kopatchinskaja und Polina Leschenko mit Sonaten und Piècen von Francis Poulenc, Maurice Ravel und Béla Bartók. Einsendeschluss ist der 27. April 2018. Viel Glück!


Oliver Buslau, RONDO Ausgabe 2 / 2018



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