home

N° 1259
25.06. - 01.07.2022

nächste Aktualisierung
am 02.07.2022



Startseite · Klartext · Pasticcio

Nie sollst Du mich befragen: Stéphane Lissner haut bei Opernquiz daneben

Pasticcio

Schadenfreude!

Stéphane Lissner zählt zu den profiliertesten Opernmanagern. Fast ein Jahrzehnt lang hat er die Mailänder Scala geleitet und war nebenbei fast ebenso lang Musikalischer Direktor der Wiener Festwochen. Nun hat Lissner das Programm für seine neueste Arbeitsstelle, die Pariser Oper vorgestellt. Und gleich für die erste Spielzeit 2015/16, die unter dem Titel „Seid mutig“ steht, hat er sich einige Überraschungen einfallen lassen. Um jüngeres Publikum anzulocken, will er pro Saison 25.000 Plätze für 10 Euro für alle unter 28-Jährigen anbieten. Zudem geht er vom Spielplan her mächtig in die Offensive und präsentiert gleich 18(!) Neuproduktionen. Da inszeniert der Italiener Romeo Castellucci Schönbergs „Moses und Aaron“ und Claus Guth den „Rigoletto“. Und neben Berlioz´ „Faust“ mit Jonas Kaufmann und Bryn Terfel porträtiert sogar Wayne McGregor mit einem Ballett Pierre Boulez!
Lissners Pläne und Ideen können sich wirklich sehen lassen. Dagegen wurde für ihn jetzt ein Auftritt bei einem französischen TV-Sender zu einer Schmach. Ob vorher abgesprochen oder nicht – Lissner wurde da einem Hörquiz unterzogen, durch das er mit Pauken und Trompeten durchgefallen ist. Klar, wer kennt das nicht: man schaltet das Autoradio ein, hört ein berühmte Melodie und meint sofort Komponist und Stück zu kennen. Peinlich berührt läuft man aber innerlich rot an, wenn die nachfolgende Moderation einen ganz anderen Namen nennt und man in sich hineinmurmelt: „Ja, natürlich.“ Das muss sich Stéphane Lissner nun also auch gedacht haben, als man ihm gleich fünf Opernohrwürmer vorspielte und er bei nahezu allen ratlos blieb. Hinter Catalanis „La Wally“ vermutete er „Norma“. Bei „Vissi d´arte“ aus „Tosca“ zuckte er nur mit den Schultern. Aber immerhin lag er nach langem Zögern bei Bizets „Carmen“ richtig. Den Grund für seine vermeintlichen Blackouts schob Lissner da prompt auf die angeblich uralte Scala-Tradition, nach der es allen - vom Musikalischen Direktor bis zum Intendanten - verboten ist, jemals den Titel einer Oper in den Mund zu nehmen. Tolle Ausrede.

Guido Fischer



Kommentare

Kommentar posten

Für diesen Artikel gibt es noch keine Kommentare.


Das könnte Sie auch interessieren

Pasticcio

And the Quartals-Winner is!!!

Meldungen und Meinungen der Musikwelt

Längst fiebert die Tonträgerbranche nicht mehr nur auf den Jahresabschluss hin – wenn der […]
zum Artikel

Gefragt

Max Richter

Klingt einfach

Längst ist der Komponist eine anerkannte Berühmtheit. Musikalisch mit den Massen zu flirten, war […]
zum Artikel


CD zum Sonntag

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Eva Jagun stammt aus einer Kölner Musikerfamilie und lernte zunächst Geige, Flöte, Gitarre und Klavier. Ihre ersten Erfahrungen sammelte sie in diversen Chören und Bands, später studierte sie in Hamburg Musik, seit einigen Jahren lebt sie in Berlin.
Dort arbeitet sie als Sängerin wie auch als Geigerin im Studio und auf der Bühne mit einer Vielzahl von Künstlern zusammen, unter anderen mit Nina Hagen oder Dieter Hallervorden. Wichtige Impulse erhielt sie vom kanadischen Jazzbassisten […] mehr


Abo

Top