Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ und kein Ende. Was für einen Werkzyklus spricht, der trotz lausiger Einspielungen und seltsamster Arrangements einfach nicht kurz und klein zu kriegen ist. Auch Daniel Hope, seines Zeichens Weltklassegeiger und musikalischer Tausendsassa, kommt von Vivaldi einfach nicht los und unterzieht ihn zeitgenössischen Neubelichtungen. 2014 brachte er zusammen mit Komponist Max Richter eine „Recomposed“-Fassung der „Vier Jahreszeiten“ heraus, die perfekt in jede Classic-Lounge passte. Nun hat Hope mit „For Seasons“ seine eigene Version zusammengestellt. Dafür hat er das Original noch einmal komplett und zusammen mit dem Zürcher Kammerorchester aufgenommen (mit routiniertem Schwung und makellos virtuosem Zugriff). Und als moderne Fortsetzung des Barockklassikers folgen zwölf, zumeist für Hope & Friends arrangierte Einzelsätze quasi als jahreszeitlich passendes Klangebenbild. Der wohlig dahinplätschernde „Januar“ gebührt dem deutschen Minimalisten Nils Frahm. Aus Max Richters „Recomposed“-Projekt erklingt der ebenfalls mit repetitiven Mustern spielende „März“. Und über „Avril 14th“ der britischen Electronic-Band Aphex Twin folgen Tschaikowskis „Juni“ (aus seinem „Jahreszeiten“-Zyklus), Kurt Weills „September-Song“ bis zu einem „Wintermezzo“ des kanadischen Pianisten Chilly Gonzales. Mit diesem zwischen Schubert und Tango eingehängten „Dezember“-Satz hat Hope zugleich ein glückliches Händchen bewiesen — was man vom Gros der Stücke leider nicht sagen kann. Vieles schrammt allein schon angesichts der Buntheit der zwölf Stücke aus vier Jahrhunderten haarscharf am puren Kitsch vorbei (wie etwa Schumanns „Am leuchtenden Sommermorgen“). Außerdem wirkt das Konzept auch im Booklet zu überladen und überfrachtet: So hat Hope zwölf Werke von aktuellen bildenden Künstlern wie Caio Fonseca und Simone Haack als atmosphärisch passende Kommentare zu den zwölf „neuen“ Klangmonaten ausgesucht. Less wäre hier wirklich more gewesen.

Reinhard Lemelle, 15.04.2017



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