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N° 1281
26.11. - 02.12.2022

nächste Aktualisierung
am 03.12.2022



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Sergei Rachmaninow

Trio élégiaque Nr. 1 & 2, Preghiera

Gidon Kremer, Giedrè Dirvanauskaitè, Daniil Trifonov

DG/Universal 479 6979
(67 Min., 5/2015)

„Ich akzeptiere nicht den risikolosen Hörer.“ So lautet das unkorrumpierbare Credo des Geigers Gidon Kremer, der gerade seinen 70. Geburtstag gefeiert hat. Und diese Anti-Mainstream-Haltung hat er vor allem mit einem Repertoire untermauert, das noch nicht mal in die Nähe eines Abo-Konzerts kommt. Dazu gehört nicht nur Zeitgenössisches etwa von Luigi Nono. Auch an so manchem Werk des Kammermusikkomponisten Sergei Rachmaninow kann man sich heftig reiben und stoßen. Auf sage und schreibe rund 50 Minuten Spieldauer kommt sein zweites „Trio élégiaque“ op. 9, mit dem sich 1893 der 20-Jährige seine Klage und Trauer über den Tod Tschaikowskis als Klaviertrio von der Seele geschrieben hat. Wer dieses Opus Magnum nicht kennt, könnte leicht vermuten, dass Rachmaninow hier alle Register des russischen Pathos und der dazugehörigen Sentimentalität gezogen hätte. Katakombengleich schwarzdunkel beginnt denn auch gleich das Trio. Mit glockenähnlichen Tonschritten im Klavier und einem einzigen Seufzer im Cello. Manch anderer Komponist hätte aus diesem Grundmaterial vielleicht ein mehrminütiges Klang-„Tombeau“ gemacht. Für Rachmaninow hingegen ist es erst der Anfang eines Abschieds in drei Sätzen, für den er ständig neue Spannungsbögen, Farbspektren und Intensitätsskalen erfindet. Nirgendwo flüchtet sich das russische Junggenie da in Floskeln. Mit seinen fantastischen Partnern Giedrè Dirvanauskaitè (Cello) und Daniil Trifonov (Klavier) spielt Gidon Kremer dieses Werk nun gleichermaßen dauerbeklemmend und gnadenlos erschütternd. Ständig hat man das Gefühl, als ob die drei Musiker auf der Stuhlkante eine gefährliche Sitzposition eingenommen haben, als würde man am Abgrund stehen. Für schwache Nerven ist diese Musik in den Händen dieses Trios nichts — und daher auch nichts für risikolose Hörer. Was übrigens ebenfalls für die Rahmenstücke gilt, bei denen es sich einerseits um ein Gebet („Preghiera“) handelt, ein Arrangement des zweiten Satzes aus Rachmaninows zweitem Klavierkonzert für Violine und Klavier aus der Feder Fritz Kreislers. Das Finale gehört dem noch seltener zu hörenden „Trio élégiaque“ Nr. 1, das Rachmaninow 1892 komponiert hat.

Guido Fischer, 01.04.2017



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