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Aziza

Dave Holland, Chris Potter, Lionel Loueke, Eric Harland

Dare2 Records/H’art DARECD009
(54 Min., 7/2015)

Seit den 1960ern zählt Dave Holland zu den Großen unter den Jazzbassisten. An jene frühen Jahre knüpft er nun als 70-Jähriger scheinbar an, indem er Sounds und Beats der 1970er wiederzubeleben scheint. So kokettiert er im Team mit dem Gitarristen Lionel Loueke in den einleitenden Takten von „Aziza Dance“ mit dem Gitarren-Bass-Schmatzen in Herbie Hancocks Klassiker „Chameleon“ , doch anstatt wie der Altmeister auf dem Album „Head Hunters“ straight loszumarschieren, tänzelt Hollands Band, getragen vom Drummer Eric Harland, mit einer prächtigen Fülle von Kleinrhythmen und Klangsprengseln funky rockend los. Zu guter Letzt mischt sich Chris Potter mit Saxofon-Chorussen zwischen Kürzelseligkeit und HardBop ein: also keine Spur von Retro-Fusion, wohl aber eine vergnügliche Weiterentwicklung von Hollands Faible für Polyrhythmen, wie sie in den 1980ern das Künstlerkollektiv der M-Base austestete. Mit „Summer 15“ lassen sie einen Calypso folgen, dessen Grundrhythmus Louekes Afro-Beats-Gitarre konterkariert. „Walkin´ The Walk“ und „Finding The Light“ entwickeln sich aus kleinen, tänzelnden Bassbewegungen zu komplexen Gespinsten feiner Linien. „Blue Sufi“ gewinnt stellenweise magische Trancezüge. Hierzu bilden einerseits die tragenden Saxofonmelodien von „Aquila“ und andererseits die Ballade „Friends“ einen zurückhaltenden Gegenpol. Wenn ein Titel „Sleepless Night“ überschrieben ist, muss er fast zwangsläufig rocken und zucken. Dies ist tatsächlich der Fall, wobei Afrobeats und ein Dialog von Rockgitarre und Jazzsaxofon das Geschehen würzen. All das wäre vor 45 Jahren noch nicht möglich gewesen. Das vordergründige Kokettieren mit jener Zeit täuscht.

Werner Stiefele, 12.11.2016



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