home

N° 1223
16. - 22.10.2021

nächste Aktualisierung
am 23.10.2021



Responsive image

Traumesrauschen

Martin Dahanukar

Skip/Soulfood SKP 9132
(39 Min., 12/2015)

Das versonnen gespielte gestopfte Horn, die lässige Schwermut und die Bereitschaft, seinen Mitmusikern viel Platz zu lassen – es fällt nicht schwer, Miles Davis als das erklärte Vorbild des indisch-schweizerischen Trompeters Martin Dahanukar auszumachen. Es ist aber nicht der von Kollegen wie Nils Petter Molvaer, Erik Truffaz oder Médéric Collignon verehrte Fusion-Revolutionär, dem Dahanukar auf „Traumesrauschen“ träumerisch-assoziativ nachspürt, sondern dem Miles der 50er Jahre.
Davis' Musik zu Louis Malles Film „Fahrstuhl zum Schafott“ stand Pate für die Aufnahme. Nicht so sehr stilistisch, wenn sich auch Stücke wie „Julia's Glance“ oder „Le soleil qui brule“ in ihrem Retro-Swing an den Jazz der Fifties anlehnen mögen. Vielmehr sind es die Atmosphäre und die Konstruktion der Kompositionen, die stark an den Miles der Pariser Tage erinnern.
Der Trompeter improvisierte damals vor der Leinwand zu Malles Film und ließ sich von den Bildern treiben. Ähnlich verfährt Dahanukar mit seinen Mitstreitern (Michael Haudenschild: Klavier und Rhodes, Philipp Moll: Kontrabass, Willy Kotoun: Percussion) auf „Traumesrauschen“: Auf der Grundlage von Urlaubserinnerungen, Reminiszenzen aus dem Kino-Saal (etwa bei „Hablar con Almodóvar“ oder „Salaam Bombay“) oder Bildern aus dem Halbschlaf entwickelt Dahanukar geheimnisvolle Soundtracks fürs innere Auge.
Sein ätherischer Trompetenton und Kotouns wechselnde Percussiongrundlage schicken die Kompositionen dabei auf Reisen durch Raum und Zeit: So taucht das Quartett in einem der heiligen Flüsse Indiens unter („Afloat The Narmada“), wird von Tabla-Grooves in eine fabelhafte Welt zwischen Amélie und Almodóvar entführt (im stark nach Yann Tiersen klingenden „Hablar con Almodóvar“)" oder erweist sich als Zeitgenosse von Dizzy Gillespies ersten Experimenten mit afrokubanischen Rhythmen („Noir est la mer“). Ein verträumtes Vergnügen.

Josef Engels, 17.09.2016



Diese CD können Sie kaufen bei:

Als JPC- und Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen


Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.


CD zum Sonntag

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Der Beginn ist bekanntlich eine sehr delikate Phase. Womit also fängt man an, als junges Klaviertrio, die ersten Schritte machend auf dem diskografischen Karriereweg? Das Silver Trio hat für sein Album-Debüt Beethoven, Rachmaninow und Bernstein ausgewählt. Eine durchaus merkwürdige Kombination, nicht weil man Musik verschiedener Epochen nicht auf einer CD vereinen dürfe – ganz im Gegenteil, so machen es viele Ensembles teils mit großem Erfolg. Da einem aber irgendwie keine Verbindung […] mehr


Abo

Top