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The First Quartet

John Abercrombie-Quartet

ECM/Universal 4732437
(131 Min., 12/1978, 11/1979, 11/1980) 3 CDs

Wie sich die Zeiten ändern! Vor 35 Jahren weckten die Gitarrensounds von John Abercrombie noch die Assoziationen an komplizierte Elektronik, die Dank Abercrombies sensiblem Spiel eine wundersame Verschmelzung von Technik und Gefühl vermuten ließ. Heute haben sie immer noch ihren Reiz, denn der milde, weiche Klang und der sanfte Fluss der Melodien haben den Geschmacksfilter der Zeiten überdauert, obwohl Abercrombie diesen Sound, der ihn einst mit Pat Methenys Klangwelt verband, hinter sich gelassen hat. Sein Quartett mit Richie Beirach am Flügel, George Mraz am Kontrabass und Peter Donald am Schlagzeug schrieb damals Jazzgeschichte. Der in einer Box zusammengefasste Dreierpack aus den Alben „Arcade“ (1978), „Abercrombie Quartet“ (1979) und „M“ (1980) verdeutlicht den Übergang vom Jazzrock zur offenen, freieren, an Zwischenräumen reichen Spielweise, die zwar schon 1969 in den Alben „Uptown Conversation“ von Ron Carter und „Infinite Search“ von Miroslav Vitouš angelegt war, nun aber vollendet wurde.
Wie in einem guten, von Zuhören und Mitwirken geprägten Gespräch öffnen sich nun die vier Akteure Gedankenräume, indem sie Themen anspielen, einzelne Töne stehen lassen oder den Fluss unterbrechen, damit einer der Partner in der so entstehenden Lücke eine eigene Variante des Themas oder ein gegenläufiges Motiv formulieren kann. Ihre ausnahmslos von Mitgliedern des Quartetts komponierten Stücke erinnern nicht mehr an die Struktur von Songs, sondern wirken wie Gedankenketten, in denen sich Varianten einer langen, unendlichen Basismelodie aneinander reihen, ins Stocken kommen, wie ein Wasserstrom an Steinen aufstauen und nach der Überwindung des Hindernisses weiter sprudeln. Hier wird ein musikalisches Konzept vollendet, das Ende der 1950er angedacht und in den 1960ern ansatzweise umgesetzt worden war. Letztendlich fußt auf der hier perfekt ausgeprägten Denkweise ein starker, nicht vom Swing dominierter Zweig des modernen Jazz.

Werner Stiefele, 05.12.2015



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