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N° 1219
18. - 24.09.2021

nächste Aktualisierung
am 25.09.2021



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Franz Schubert

Goethe-Lieder

Mauro Peter, Helmut Deutsch

Sony 88875083882
(53 Min., 2/2015)

Noch keine 30 Jahre alt ist der in Luzern geborene Tenor Mauro Peter – und schon hat er mit Helmut Deutsch einen der erfahrensten Liedbegleiter unserer Tage für sich gewinnen können. Ausgangspunkt dieser Zusammenarbeit, die erst kürzlich durch einen Live-Mitschnitt der „Schönen Müllerin“ (erschienen beim Label „Wigmore Hall“) und nun durch die vorliegende Schubert-CD dokumentiert wird, war Deutschs Liedklasse an der Münchner Musikhochschule – ebendort hat Peter studiert. Und nun profitiert er auf der Bühne und im Studio vom Können und Wissen dieses großartigen Begleiters.
Solchermaßen abgesichert kann man sich vielleicht auch als sehr junger Sänger schon an ein in jeder Hinsicht forderndes Programm wie das vorliegende wagen. Wie gewaltig sind die technischen und gestalterischen Aufgaben, die es hier zu bewältigen gilt! Große Bögen, teils in recht hoher Lage, sind etwa in den drei „Harfner“-Gesängen auszuspannen. Der Textfluss muss sinnvoll mit dem musikimmanenten Spannungsverlauf dieser Bögen in Einklang gebracht werden, und die unterschiedlichsten Vokale sollten auch in der Randlage alle gleich gut ansprechen und auf jeder dynamischen Stufe bequem ihren Platz finden. Solche extrem schwierigen Passagen machen bei Peter noch die eine oder andere technische Unebenheit hörbar: Mal gerät eine Silbe zu eng und tönt entsprechend unkomfortabel, mal verrät ein kleiner Wackler auf einem eigentlich nicht zu akzentuierenden Ton, dass wahrlich noch nicht alle gesangstechnischen Fragen gelöst sind. Eine leichte Körnigkeit im Timbre kommt gelegentlich zum Vorschein, und es drängt sich die Frage auf, ob Peters Tenorstimme schon genügend robust und sicher geführt ist, um all jene Aufgaben zu bewältigen, denen er sich bereits jetzt stellt.
Freilich versteht er zu begeistern und partiell auch sehr zu überzeugen mit seiner interpretatorischen Leidenschaft, die vor allem in Liedern wie „Der Musensohn“ oder auch „Rastlose Liebe“ zum Vorschein kommt: An ungezügeltem Vermittlungswillen mangelt es dem jungen Nachwuchssänger sicher nicht. Aber die genannten gesangstechnischen Aspekte bleiben dennoch als Fragezeichen im Kopf des Rezensenten hängen: Nicht immer reifen die Blütenträume junger Sänger mit der nötigen Ruhe, Vorsicht ist geboten.

Michael Wersin, 22.08.2015



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