home

N° 1223
16. - 22.10.2021

nächste Aktualisierung
am 23.10.2021



Responsive image

Bullhorn

Verneri Pohjola

Edition Records/Soulfood EDN1056
(62 Min., 8/2014)

Er gelte nun schon seit 20 Jahren als junger Jazzmusiker, schreibt Verneri Pohjola in den Liner Notes seiner dritten Einspielung. So langsam, findet der inzwischen 37 Jahre zählende Finne, sei es ja wohl an der Zeit, erwachsen zu werden. Diese launige Absichtserklärung ist aber ähnlich augenzwinkernd irreführend wie der Albumtitel. Zum einen erwies sich der Sohn der finnischen Jazzrock-Legende Pekka Pohjola schon bei seinem 2011 erschienenen Debüt als erstaunlich ausgereifter Orchestrator einer 14-köpfigen Besetzung, zum anderen hat sein Trompetenspiel so gar nichts von dem titelgebenden Megafongrunzen eines „Bullhorns“.
Und doch gibt der Name des Albums einen guten Hinweis auf den Inhalt. Pohjolas Trompetenspiel steht im Zentrum der Aufnahme, die sich hauptsächlich in einem Quintett-Rahmen bewegt. Und es ist schon erstaunlich, wie unterschiedlich der Finne sein Instrument klingen lassen kann. Mal erstrahlt es muskulös als Signalhorn im klassischen Hardbop-Kontext („Nanomachines“), mal gemahnt es an Don Cherrys weltmusikalische Flüstertüte („Girls Of Costa Rica“), mal hört es sich an wie das raue Flöten eines Hirten („He Sleeps, I Keep Watch“).
In dem Horn des Finnen fließen die verschiedensten europäischen Jazztrompeten-Spielarten zusammen: der heisere, unrasierte Ton eines Tomasz Stanko, das mit viel Luft gehauchte Abwägen eines Palle Mikkelborg, die mit archaischem Folklore-Raunen experimentierenden Assoziations-Schallräume eines Nils Petter Molvaer oder Arve Henriksen.
Miles Davis, das erklärte große Vorbild von Pohjola, hört man jedoch nirgends heraus. Das zeigt, wie weit Pohjola auf der Suche nach einem eigenen, erwachsenen Ton schon gekommen ist.

Josef Engels, 07.03.2015



Diese CD können Sie kaufen bei:

Als JPC- und Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen


Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.


CD zum Sonntag

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Der Beginn ist bekanntlich eine sehr delikate Phase. Womit also fängt man an, als junges Klaviertrio, die ersten Schritte machend auf dem diskografischen Karriereweg? Das Silver Trio hat für sein Album-Debüt Beethoven, Rachmaninow und Bernstein ausgewählt. Eine durchaus merkwürdige Kombination, nicht weil man Musik verschiedener Epochen nicht auf einer CD vereinen dürfe – ganz im Gegenteil, so machen es viele Ensembles teils mit großem Erfolg. Da einem aber irgendwie keine Verbindung […] mehr


Abo

Top