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Franz Schubert, Daniel Behle

Winterreisen

Daniel Behle, Oliver Schnyder Trio

Sony 8883788232
(125 Min., 6/2013) 2 CDs

Daniel Behle als Interpret und gleichzeitig als Bearbeiter (und damit gleich nochmal anders als Interpret) der Winterreise: Wir können in diesem Doppelalbum einerseits die „Originalversion“, andererseits eine um Violin- und Celloklänge „ergänzte“ Version hören. Daniel Behle ist ja nicht der Erste, der sich zu einer Bearbeitung der „Winterreise“ inspirieren ließ. Die – ganz persönliche – Frage des Rezensenten ist indes: warum? Wenn man die Winterreise (wie der Rezensent) sehr gut kennt, dann braucht man die „Nachhilfe“ der sich immer wieder einmischenden Streicher eigentlich nicht. Wenn man sie noch nicht kennt, dann sollte man sie doch vielleicht lieber (so meint der Rezensent ganz konservativ) so kennenlernen, wie Schubert sie komponiert hat …
Die Streicher des „Oliver Schnyder Trios“ unterstützen ihren Pianisten, indem sie hier und da einzelne Linien des Satzes nachzeichnen, sie übernehmen hin und wieder auch einmal den kompletten Begleitsatz, sie setzen Akzente. Sie „silchern“ ein wenig im „Lindenbaum“, wo man stattdessen eine wie auch immer geartete Verdeutlichung der drei unterschiedlichen zeitlichen Ebenen, die das Lied hat, hätte erwarten dürften. Sie zupfen am Anfang von „Auf dem Flusse“ mit der Klavierstimme, deren Musik man an dieser Stelle doch lieber ganz „secco“ hört, denn der Fluss rauscht ja eben nicht mehr, es spritzt keine Gischt aus ihm, sondern er ist eingefroren, tot. Immer wieder verstärken die Streicher auch den Affekt gewisser spannungsreicher Momente, sie spitzen zu, lassen den Hörer erschauern oder gruseln. Braucht man das? Der Rezensent meint: Gerade Daniel Behle als Sänger braucht das nicht. Hören wir ihn auf der anderen CD ganz „puristisch“ nur mit Klavier, dann erfreuen wir uns über ihn als bewegten und bewegenden Erzähler einer fürchterlichen Einsamkeitserfahrung. Wir schätzen die ganz neuen Farben, die er vielen vokalen Linien zu geben vermag, wir staunen gleichzeitig darüber, dass sein Timbre manchmal ein wenig nach Peter Schreier klingt. Wir lassen uns gefangen nehmen von seiner auf sprachlicher Prägnanz beruhenden Erzählkunst und vermissen die Streicherkommentare nicht.

Michael Wersin, 17.01.2015



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