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Break Stuff

Vijay Iyer Trio

ECM/Universal 4708937
(71 Min., 6/2014)

Wow! Dass Vijay Iyer zu den Ausnahmepianisten des Jazz zählt, war schon nach seinen ersten Platten zu ahnen. Mit „Break Stuff“ bestätigt er seine Sonderstellung, so vielschichtig und eigenständig baut er seine Stücke auf und so souverän schöpft er aus der Jazzgeschichte, ohne die Giganten zu zitieren. Wenn er mit seinem Trio Thelonious Monks „Work“ bearbeitet, ist viel mehr als üblich von dessen sperrigem, durch hartes Stakkato und rollende Fingerbewegungen geprägtem Stil zu spüren – aber als Fortentwicklung, in denen Iyer, der Schlagzeuger Marcus Gilmore und der Kontrabassist Stephan Crump die Freiheiten des Post-Free-Jazz und die seit den 1980ern wachsende Bedeutung vielschichtiger Rhythmen mit den historisch informierten Elementen verbinden.
Dass diese Bearbeitung auf „Hood“, eine Hommage an den Minimal-Techno-Produzenten und DJ Robert Hood folgt, verdeutlicht Iyers über Schubladen erhabenes Denken: Hier schichtet das Trio minimalistische Ostinati übereinander. „Blood Count“ wiederum ist eine mystische Solo-Interpretation einer Komposition des Pianisten Billy Strayhorn. Zwölf Stücke umfasst die Disc, darunter Konzentrate aus seiner fürs New Yorker Museum of Modern Art komponierten Suite „Break Stuff“ und „Open City“, einer ursprünglich für großes Ensemble und den Dichter Teju Cole komponierten Arbeit. Intuitiv verdichtet das Trio Passagen und reißt sich an überraschenden Punkten auf. Es wuchert mit dichten Tontrauben und durchbricht sie durch filigrane, leise Verästelungen. Intensität und Entspannung, eine Fülle an Überraschungen, Hochgeschwindigkeit und Verlangsamung, Harmonieseligkeit und Dissonanzen: Dies sind nur einige der scheinbar gegensätzlichen Elemente, die sich in der Musik dieses Trios so wunderbar zusammenfügen, dass sie sich nicht widersprechen, sondern zu wechselnden Höhepunkten schaukeln.

Werner Stiefele, 17.01.2015



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