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Johann Sebastian Bach, Stefan Heucke

Wie schön leuchtet der Morgenstern (Choralvorspiel BWV 739, Toccata und Fuge BWV 565, Passacaglia c-Moll BWV 582, Choralvorspiel „Wer nur den lieben Gott lässt walten“ op. 46a u.a.)

Martin Stadtfeld

Sony 888430997952
(60 Min., 7/2014)

Was Bach zu einem Steinway-Flügel gesagt hätte, darüber lässt sich nur spekulieren, aber eins ist ziemlich sicher: Er hätte beim Probespiel gewiss sämtliche Töne, welche die Tastatur hergibt, auf ihre Klangwirkung untersucht. Von Anfang an hat auch Martin Stadtfeld bei seiner Auseinandersetzung mit dem Barockkomponisten immer wieder Oktavierungen in die höchsten und tiefsten Frequenzbereiche in sein Spiel einbezogen und dem Flügel ganz nebenbei auch ein wenig von den Registriermöglichkeiten mehrmanualiger historischer Cembali zurückgegeben. In seinen eigenen Bearbeitungen von Orgelwerken des jungen Bach ist Stadtfeld dieser Klanglust jetzt noch ungehemmter als zuvor nachgegangen – und das mit sehr überzeugendem Ergebnis. Er stellt die Register dabei nicht nur geschmackssicher einander gegenüber, sondern weiß auch inhaltlich motivierte Verbindungen zwischen den extremen Klangbereichen zu finden – etwa dann, wenn er das Subjekt in die Hölle der tiefsten Bassregion schickt, ohne es jedoch im Klanggrollen untergehen zu lassen, sondern ihm vielmehr eine beeindruckende Himmelfahrt in den sternenfunkelnden Diskant beschert. Stadtfelds postromantischer Interpretationsansatz, der Klangsensibilität und cembaleske Geläufigkeit mit klug disponierten, großen dynamischen Bögen und zärtlicher Liebe zur Melodik verbindet, lässt auch Bachs „Capriccio über die Abreise des geliebten Bruders“, das vielen Interpreten als allzu zeitgebundene Programmmusik gilt, endlich einmal wieder von innen leben. Mit einer träumerisch zwischen Bachischer Forstspinnungsmotivik und geisterhaften Diskantklängen schwebenden Choralbearbeitung schließlich findet Stadtfeld eine weitere tragende Brücke von Bach zur Gegenwart.

Carsten Niemann, 20.09.2014



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