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Karabash

Belém Trio

Neuklang/Edel 1040983NKL
(68 Min., 3 & 11 2013)

Das interaktive Konzept stammt vom Jazz. Doch die Beats rocken oft, als hätten der Pianist Diego Brancaccio, der Elektrobassist Filippo Macchiarelli und der Schlagzeuger Luca Luzi nicht nur Jazz, sondern die frühen Werke der Rockband „The Nice“ gehört. Und Jaco Pastorius, denn Macchiarelli lässt seinen Elektrobass manchmal so weich singen, dass der Klang an jene legendären Töne erinnert, mit denen der einstige R&B-Bassist und Soulman Jaco Pastorius in Joe Zawinuls Band „Weather Report“ die Herzen der Jazzer eroberte. Doch dabei bleibt es nicht. Die drei Herren lieben das gleichermaßen Mehrdeutige wie Unbestimmte. So ergeben die Anfangsbuchstaben der Familiennamen den Bandnamen „Belém“ – damit könnten aber auch ein Stadtteil von Lissabon oder eine Stadt in Brasilien gemeint sein. Und „Karabash“ ist ein Hirtenhund, der Name von Ortschaften in Russland und Armenien und der Familienname eines syrischen Gelehrten. All dies führt in die Irre, denn die Musik kommt ohne südamerikanische oder orientalische Elemente aus. Sie greift – neben den R&B-Bezügen – eher auf den Wohlklang der europäischen Romantik und Unterhaltungsmusik zurück. Mit zupackenden, kraftvollen Passagen verschaffen sich die drei Gehör, und mit zurückhaltenden, besinnlichen Momenten und markanten Breaks schaffen sie Abwechslung und halten die Spannung hoch. Der beständige Wechsel der Intensität und der Melodienreichtum schaffen Spannung, und die transparente, detailgenaue Aufnahmetechnik verleiht jedem Ton Energie und Bedeutung. Das Esbjörn Svensson Trio hat vor 20 Jahren den Weg für eine neue, rockende Version des Klaviertrios gespurt. Inzwischen wurde er zur breiten Straße, auf der das bestens motorisierte Belém Trio an einem heißen Sommertag dahinbraust.

Werner Stiefele, 05.07.2014



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