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Kálmán, Lehár, Stolz, Sieczynski, Bernstein u.a.

Favorites (Operetten- und Musical-Lieder)

Klaus Florian Vogt, Münchner Rundfunkorchester, Gerrit Prießnitz

Sony 88843035382
(55 Min., 1/2014)

Mit seinem Knabentenor gleicht Klaus Florian Vogt – hier auf großer Butterfahrt zur leichten Muse – ein bisschen einem Tölzer Chorbuben im Wienerwald. Unschuldig. Allerdings nicht unbeleckt. Vogts Ursprünge im Operettenfach zahlen sich in leichtfüßiger Puszta-Sentimentalität, zwanglos vokalem Lächeln und lupenreiner Textverständlichkeit aus. Hier ist ein Tenor, wenn auch ein sehr besonderer, dem man die Operette in ihrer Eigenart nicht erst zu erklären braucht. Entsprechend leutselig grüßt Vogt sein liebes Wien, bindet aus Apfelblüten einen ländlich leuchtenden Kranz, steht stramm aufrecht als Soldat am Wolgastrand und reklamiert: „Immer nur lächeln“. Man hört die musikhistorische Nähe zu Wagner, ohne dass dies unfreiwillig komisch oder stilbrüchig erscheint. Eine sichere Sache. Wenn auch ohne Augenzwinkern, sondern mit merkwürdig naivem Ernst dargebracht. Mit Gerrit Prießnitz am Pult des Münchner Rundfunkorchesters stehen Begleit-Routiniers zur Verfügung, die dem Genre keine revolutionär neuen Facetten entlocken wollen. Leider mit der Folge, dass das Orchester ein wenig zahnlos und flauschig im Hintergrund bleibt. Dies ist ein echtes Manko.
Fraglich bleibt auch, ob man im Rahmen dieser „Favorites“ den Schritt ins zuweilen klebrige Musical-Repertoire vollziehen musste. Bei „Musik der Nacht“ aus der deutschen Fassung von Lloyd Webbers „Phantom der Oper“ spürt man das Qualitätsgefälle zu Kálmán. „Anthem“ aus Benny Anderssons „Chess“ klingt labbrig wie einwandfreier Kitsch. Vogts Englisch in „Empty Chairs and Empty Tables“ (aus „Les Misérables“) wirkt buchstabiert. „Maria“ aus „West Side Story“ schließlich erweckt den Eindruck, als hätten wir es eher mit einer New Yorker Version von „Hänsel und Gretel“ zu tun (anstatt mit „Romeo und Julia“).
So bleibt das Ergebnis uneinheitlich. Man wittert Verkaufszwang hinter der Suggestion, dass die Operette ein direkter Vorläufer des modernen Musicals sei. Alle Titel kommen ein bisschen harmlos und altbacken herüber. Nicht raffiniert genug.

Robert Fraunholzer, 15.03.2014



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