home

N° 1219
18. - 24.09.2021

nächste Aktualisierung
am 25.09.2021



Responsive image
Kálmán, Lehár, Stolz, Sieczynski, Bernstein u.a.

Favorites (Operetten- und Musical-Lieder)

Klaus Florian Vogt, Münchner Rundfunkorchester, Gerrit Prießnitz

Sony 88843035382
(55 Min., 1/2014)

Mit seinem Knabentenor gleicht Klaus Florian Vogt – hier auf großer Butterfahrt zur leichten Muse – ein bisschen einem Tölzer Chorbuben im Wienerwald. Unschuldig. Allerdings nicht unbeleckt. Vogts Ursprünge im Operettenfach zahlen sich in leichtfüßiger Puszta-Sentimentalität, zwanglos vokalem Lächeln und lupenreiner Textverständlichkeit aus. Hier ist ein Tenor, wenn auch ein sehr besonderer, dem man die Operette in ihrer Eigenart nicht erst zu erklären braucht. Entsprechend leutselig grüßt Vogt sein liebes Wien, bindet aus Apfelblüten einen ländlich leuchtenden Kranz, steht stramm aufrecht als Soldat am Wolgastrand und reklamiert: „Immer nur lächeln“. Man hört die musikhistorische Nähe zu Wagner, ohne dass dies unfreiwillig komisch oder stilbrüchig erscheint. Eine sichere Sache. Wenn auch ohne Augenzwinkern, sondern mit merkwürdig naivem Ernst dargebracht. Mit Gerrit Prießnitz am Pult des Münchner Rundfunkorchesters stehen Begleit-Routiniers zur Verfügung, die dem Genre keine revolutionär neuen Facetten entlocken wollen. Leider mit der Folge, dass das Orchester ein wenig zahnlos und flauschig im Hintergrund bleibt. Dies ist ein echtes Manko.
Fraglich bleibt auch, ob man im Rahmen dieser „Favorites“ den Schritt ins zuweilen klebrige Musical-Repertoire vollziehen musste. Bei „Musik der Nacht“ aus der deutschen Fassung von Lloyd Webbers „Phantom der Oper“ spürt man das Qualitätsgefälle zu Kálmán. „Anthem“ aus Benny Anderssons „Chess“ klingt labbrig wie einwandfreier Kitsch. Vogts Englisch in „Empty Chairs and Empty Tables“ (aus „Les Misérables“) wirkt buchstabiert. „Maria“ aus „West Side Story“ schließlich erweckt den Eindruck, als hätten wir es eher mit einer New Yorker Version von „Hänsel und Gretel“ zu tun (anstatt mit „Romeo und Julia“).
So bleibt das Ergebnis uneinheitlich. Man wittert Verkaufszwang hinter der Suggestion, dass die Operette ein direkter Vorläufer des modernen Musicals sei. Alle Titel kommen ein bisschen harmlos und altbacken herüber. Nicht raffiniert genug.

Robert Fraunholzer, 15.03.2014



Diese CD können Sie kaufen bei:

Als JPC- und Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen


Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.


CD zum Sonntag

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Im Mondschatten: Während Neil Armstrong und Buzz Aldrin den Mond erkundeten, verbrachte Michael Collins, der dritte Astronaut im Bunde, pro Umrundung je 46:38 Minuten allein im Funkschatten des Erdtrabanten. Exakt so lang dauert auch dieses Album des Jazzpianisten Michael Wollny, der Parallelen zieht zwischen jenen historischen Ereignissen aus dem Jahr 1969 und der Corona-Pandemie. Die Einsamkeit ist hier der Konnex. So nahm Wollny, als die Welt aus den Fugen geriet, in Pandemie-bedingter, […] mehr


Abo

Top