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Ludwig van Beethoven

Klaviersonaten 1 - 32

Abdel-Rahman El Bacha

Mirare/harmonia mundi MIR187
(4/2012 - 1/2013) 10 CDs

Es scheint, als nehme die Beethoven-Begeisterung jenseits des Rheins einfach kein Ende: nach Bavouzet und Guy nun Abdel-Rahman El Bacha. Schon in den Neunzigern kam er mit einem Zyklus der gehobenen Mittelklasse, der allerdings hinter seinen streckenweise fesselnden Ravel- und Chopin-Aufnahmen zurückblieb. Sein zweiter Anlauf zeigt einen eigenartigen stilistischen Rückzug auf einen klaren, zupackenden Clementi-Klassizismus, der eigentlich nur in den Kopfsätzen der opp. 2/3 und 22 den ihm gemäßen Gegenstand findet. Mit dem wackeren Grimm eines Nussknackers arbeitet er sich voran, und dabei geht so einiges verloren, etwa der anmutig verwehende Schluss des op. 7-Finales. Ehrfürchtige Nüchternheit neigt stellenweise einem knöchrigen Akademismus zu, der im Höhepunkt des nächtlich dunklen Largo e mesto des op. 10/3 kaum mehr wahrnimmt als eine metronomisch abgespulte, knatternde 64tel-Kette oder im Schlusssatz des op. 26 eine ausgedörrte Etüde.
Die psychologisch untermauerten Entwicklungsbögen mancher Sonatendramen, etwa den Weg vom kindlich fantasierenden Beginnen zur ausgeformten Finaltoccata in der ersten Fantasia-Sonate, kann El Bacha nicht nachbilden. Er begreift nur die Welt des Finales, in dieser bewegt er sich meisterlich. Wo immer ein derart kraftvoll-schattenloses Diesseits inszeniert werden will, hat diese Werkschau ihre Meriten. Die „Appassionata“-Exposition entfaltet eine kalte Sogkraft, die das Seitenthema mitleidslos als das zeigt, was es ist. Eine bloße Umkehrung ohne tröstliche melodische Abmilderung, ganz und gar dem unerbittlichen Bewegungszug des Satzes unterworfen.
Wie gerne hätte ich begeisterter über El Bachas demütigen, deutlichen und maßvollen Zyklus schreiben wollen. Doch können wir beim Durchblättern dieser Mappe von Holzschnitten die glühenden Dramenszenen dahinter nur umrisshaft erahnen.

Matthias Kornemann, 11.01.2014



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