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Drawing Breath

Blue Touch Paper

Provokateur/Alive 9110432
(72 Min., 2012 & 2013)

In welche Schublade soll man den Keyboarder Colin Towns, Mastermind der Formation „Blue Touch Paper“, nur stecken? Rock? Avantgarde? Jazz? Noise? Experimental? Der 65-jährige Brite, 1976 bis 1983 Mitglied der Ian Gillan Band, danach Komponist von Filmmusiken, läuft mit seinem Sextett zwischen allen Stilen Slalom, touchiert die eine oder andere Markierungsstange, lässt sich nicht aufhalten. Mit dem Schlagzeuger Benny Greb, dem Bassisten Edward Maclean, dem Percussionisten und Elektronikspezialisten Stephan Maass und dem Gitarristen Chris Montague stehen ihm Partner zur Seite, die kraftvoll losrocken können, aber auch zurückhaltend begleiten oder schräge Klangflächen aufbauen. Der Saxofonist Mark Lockheart intoniert zwischen rau oder smooth, hat Soul oder Biss, und wenn die Band genügend gerockt hat, transportiert sie Eisler’sches Pathos in die Kirche der schrägen Geister, die früher mal Carla Bley mit ihrer Rolltreppe jenseits eines Hügels suchte, wobei sie sich in einem Hotel niederließ – aber das ist eine ältere Geschichte, wobei Towns und die Dame durchaus Gemeinsamkeiten aufweisen, denn heilig ist ihnen nichts. Außer ihrer Musik. Zirkus und Wolgaseligkeit, New Age-Gefiepse und Kneipentango, Latin, Salsa, Afro, Schlager sind nur einige Assoziationen in Towns´ Dutzend verrückter, an Überraschungen reicher, wohlkalkulierter Titel. Es wohl eher so, dass man Colin Towns nicht in eine Schublade steckt, sondern seine Musik die Schublade ist, in die er alles wirft, was ihn interessiert und ihm wertvoll genug erscheint, Bestandteil der Towns-Musik zu werden.

Werner Stiefele, 19.10.2013



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