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Hector Berlioz, Franz Liszt

Symphonie fantastique, Les Préludes

Daniel Barenboim, West-Eastern Divan Orchestra

Decca/Universal 478 5350
(68 Min., 8/2009)

Bislang hat Daniel Barenboim Berlioz´ „Symphonie fantastique“ mindestens zweimal eingespielt. Und obwohl er mit dem Chicago Symphony Orchestra und den Berliner Philharmonikern da immerhin zwei Elite-Orchester dirigierte, bot man gemeinsam eher solide Hausmannskost. Nun liegt also Barenboims dritte diskografische Beschäftigung vor. Anlässlich des 10. Geburtstags seines West-Eastern Divan Orchestra gastierte man 2009 bei den Londoner Proms und brachte auch noch vom Berlioz-Mentor Franz Liszt dessen „Préludes“ mit. Ein Orchester-Jubiläum, das man im Rahmen dieser traditionsreichen Konzertreihe feiern kann – das hätte dementsprechend gerade für die jungen Musiker Ansporn genug sein müssen, über sich hinauszuwachsen und dabei manche Risiken einzugehen. Doch wie so oft scheint der gesamte Apparat auch bei der Live-Aufnahme lediglich auf seine Wirkung als (diskussionswürdiges) Friedensprojekt gesetzt zu haben, das musikalisch nicht nach den Sternen greifen muss, um ebenfalls beim Londoner Publikum reflexartig Begeisterungsstürme auszulösen.
Würde man diese Einspielung hören, ohne die Namen seiner Protagonisten zu kennen, könnte man schnell vermuten, dass es sich hierbei um ein solide musizierendes Orchester aus der Provinz handelt (nebenbei gibt es da mittlerweile um Längen Bessere als das West-Eastern Divan Orchestra). Die einzelnen Orchester-Stimmen machen ihre Sache gut. Und auch die bizarren Tutti-Passagen kommen passabel über die Rampe. Doch die Hochspannung, die sich quer durch die fünf Sätze zieht, erschlafft schon im ersten Satz. Und während die „Szene auf dem Lande“ sich in Larmoyanz ergeht, fehlt der jetzt altväterlichen „Ball“-Szene völlig der gallische Esprit. Beim „Hexensabbat“ hat man dann zwar noch einmal effektvoll alle Kräfte gebündelt. Spätestens auf der Zielgeraden geht aber gerade den Blechbläsern die Puste aus, wird das Furioso zur einzigen Holperstrecke. Immerhin mit Liszts „Les Préludes“ konnten die Musiker unter der Leitung des Wagnerianers Barenboim etwas anfangen.

Reinhard Lemelle, 10.08.2013



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