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Tap – The Book Of Angels Vol. 20

Pat Metheny

Tzadik/New Arts International TZAD 8307
(50 Min.)

Beide sind geniale Tausendsassas und beide schätzen sich. John Zorn, Kopf der radical jewish culture in New York, und der Weltstar Pat Metheny, Gitarrist aus Missouri, brauchten sich nicht persönlich zu begegnen, um sich einig zu werden: Metheny würde – wann auch immer er Zeit hatte – einige Kompositionen Zorns für dessen „Book Of Angels“-Serie aufnehmen. Sie schrieben sich Emails, Zorn schickte Noten, Metheny setzte sich ins bestens ausgestattete Heimstudio und spielte sechs Titel ein, die nicht nur die immense Vorstellungskraft Zorns illustrieren, sondern auch die Vielfalt von Methenys stilistischen Möglichkeiten auf 50 packende Minuten konzentrieren. Da hat man den Avantgarde-Free-Funk-Rocker, der in „Mastema“ harte Beats mit schrillen Gitarrensounds verbindet – eine Erinnerung an Methenys „Zero Tolerance For Silence“ und seine Duoaufnahmen mit dem britischen Avantgardegitarristen Derek Bailey. Auf „Albim“ hingegen frönt Metheny auf den Stahlsaiten der halbakustischen Gitarre seiner Melodieseligkeit, und auf „Tharsis“ versetzt er ein klezmernahes Thema in die opulenten Klangwelten seines digital gesampelten Gitarren-Trumpet-Sounds, der vor 30 Jahren seine Live-Platte „Travels“ ausgezeichnet hatte. Auf „Sariel“ begibt er sich mit akustischen Gitarren und fülliger Grundierung in mediterrane Gefilde, wobei spanische, arabische und griechische Elemente durchschimmern. In „Phanuel“ umrahmt eine mystische Collage aus Geräuschen, einsam wirkenden Gitarrenklängen und aus dem Off hereinschimmernden Klangassoziationen einen Mittelteil voll fülliger Metheny-Romantik. Für „Hurmiz“ setzte sich Metheny zudem an den Flügel, um mit impulsiven Clustern, Läufen und Bruchstücken mit dem Drummer Antonio Sanchez sowie nachträglich eingefügten Gitarrengeräuschen so intensiv zu kommunizieren, als spiele ein Ensemble der frühen 1970er free. Zorns Kompositionen haben Metheny zu einem der vielfältigsten und packendsten Platten seines Oeuvres inspiriert. Die Platte ist zeitgleich, aber mit unterschiedlichem Art Work, auf den Labels Nonesuch und Zorns eigenem Label Tzadik erschienen.

Werner Stiefele, 22.06.2013



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