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Walking Shadows

Joshua Redman

Nonesuch/Warner 7559796093
(58 Min., 9/2012)

Irgendwann wollen alle Jazzer mit Streichern spielen, und in aller Regel sind die Arrangements belanglos, während die Soli der Bandleader inspiriert und glücklich ausfallen. Das war bei Charlie Parker so, und das ist bei den sechs Stücken auf Joshua Redmans Album nicht anders. Die Orchestersätze, die von Dan Coleman, Patrick Zimmerli und Brad Mehldau geschrieben wurden, liegen weit unter dem kompositorischen Niveau zeitgenössischer oder klassischer Werke für Kammerorchester und zählen doch zur Oberklasse des Easy-Listening oder der akustischen Filmillustration, zumal sich der Pianist Brad Mehldau, der Bassist Larry Grenadier und der Schlagzeuger Brian Blade organisch in den Gesamtklang einfügen.
Einfühlsam wandelt Redman die Färbung seiner Töne, und so erzählt er mit dem Saxofon kleine Geschichten, als habe er beim Spiel die Inhalte der Texte im Hinterkopf. Highlight ist seine Improvisation über den von Wayne Shorter komponierten Klassiker „Infant Eyes“; ansonsten umfasst das von den Streichern begleitete Repertoire „The Folks Who Live On The Hill“, „Lush Life“, „Easy Living“ und die Originals „Last Glimpse Of Gotham” und “Let Me Down Easy“. Hinzu kommen die fünf vom Quartett ohne Streicher interpretierten Stücke „Stop This Train“, „Doll Is Mine“, der Beatles-Klassiker „Let It Be”, “Final Hour” und “Stardust“ und das im Trio ohne Mehldau gespielte Adagio aus Bachs C-Dur-Toccata BWV 564. Hier stimmt die Interaktion, hier entsteht ein dichtes Gewebe aus Dominanz und Rückzug und damit ein wohltuendes, konzentriertes Kontrastprogramm zu den Orchesterstücken.

Werner Stiefele, 15.06.2013



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