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The Orchestrion Project

Pat Metheny

Nonesuch/Warner 07559-79611-3
(107 Min., 2010)

Da sitzt Pat Metheny inmitten seines Musikautomaten „Orchestrion“, indem er über das Spiel auf der Gitarre ein Computerprogramm bedient, das über Magnete, Pneumatik und von Motoren gesteuerte Finger, Schlägel und Hebel rund 60 Instrumente zum Klingen bringt, darunter Flügel, Vibrafon, Elektro- und Kontrabass und sehr viel Percussion. Einen mehr als 20 Jahre alten Traum hatte er sich mit der Musikmaschine verwirklicht – und eine Alternative zu den Samples geschaffen, die allüberall mehr oder weniger gute Imitationen von Instrumentenklängen liefern.
Was nötig nun mehr Respekt ab? Die Meisterleistung von Feinmechanikern und Programmierern oder die Musik? Ersteres, denn trotz aller technischen Finesse schafft es Metheny – wohl auch in Ermangelung der hierfür rein physisch notwendigen Fingerzahl – nicht, alle Instrumente gleichzeitig so individuell anzusteuern, dass die Mischung aus präparierten Sequenzen und aktuell gespielten Melodien und Akkorden das lebendige Niveau seiner menschlichen Partner in der Pat Metheny Group erreichen würde. Selbstverständlich wartet der Live-Mitschnitt mit einer Fülle jener weit schwingenden Melodien auf, denen Metheny seinen Ruhm verdankt. Andererseits ist es bewundernswert, wie er Loops aufbaut und abruft, wie er Basslinien ins Melodiespiel flicht, wie er die Anlage mit Impulsen füttert, die ihrerseits vorgefertigte oder soeben erst eingespielte Muster abrufen. Dreizehn Titel enthält das Doppelalbum, darunter alte Bekannte wie „Antonia“ und „Tell Her You Saw Me“ von „Secret Stories“, „80/81“ vom gleichnamigen Album, „Stranger In Town“ von „We Live Here“, „Sueño con Mexico“ von „New Chautauqua“ und „Unity Village“ von „Bright Size Life“. Zwischen ihnen befinden sich die fünf Teile „Orchestrion“, „Entry Point“, „Expansion“, „Soul Search“ und „Spirit Of The Air“, die er – in anderer Version – bereits 2010 auf der Platte „Orchestrion“ vorgestellt hatte. Bei aller Achtung vor der technischen Meisterleistung: Mit realen Musikern macht Pat Metheny noch schönere, weil lebendigere Musik als auf diesem trotzdem hörenswerten Doppelalbum.

Werner Stiefele, 02.03.2013



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